Ungebetener Gast: Corona verwandelt Venedigs Filmfestival in einen „Maskenball“

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Bild: glomex

Eine Mauer vor dem Roten Teppich, Eingangskontrollen mit Fieberthermometern, die wie Spielzeugpistolen aussehen, überall rote Warnschilder sowie Gesichter hinter Schutzmasken: Zum Start des 77. Filmfestivals von Venedig am Mittwoch hat sich der Filmpalast am Strand des Lido in eine Festung verwandelt. Als erstes internationales Filmfestival in Zeiten der Corona-Pandemie findet die Mostra ganz real und nicht nur im Internet statt. Doch angesichts der Corona-Risiken ist auch hier vieles anders als sonst.

Wo sich normalerweise Fans hinter Absperrgittern drängen in der Hoffnung auf einen Schnappschuss oder ein Autogramm von Weltstars, versperrt nun eine dicke hohe Holzwand zwischen dem Filmpalast und der Straße, die ihn vom Strand trennt, den Blick auf den Roten Teppich. Grelle Hinweisschilder erinnern an die wichtigsten Benimmregeln für die 77. Auflage der Mostra: Schutzmaske tragen, Abstand halten und Hände waschen. Für ungewöhnliche Deko sorgen Hand-Desinfektionsmittel.

Die allgegenwärtigen Schutzmaßnahmen machen unmissverständlich deutlich: Prominenter Gast bei den Festspielen, wenngleich ungebeten, ist das neuartige Coronavirus. Angesichts der auch in Italien wieder steigenden Zahl an Neuinfektionen wollen die Organisatoren kein Risiko eingehen. Dafür nehmen sie viele Vorkehrungen in Kauf, die das Gesicht des ältesten der großen Filmfestspiele stark verändern. Die Mostra sei auch ein Test für künftige große Filmfeste, sagen sie.

„Ich hoffe, alle werden sich an die Regeln halten“, sorgt sich Roberta Zoppe von der angrenzenden Eisdiele „La Dolce Vita“. Seit zehn Jahren steht sie dort hinter der Theke, aber auf die Frage, wie sie die diesjährige Mostra sieht, streckt sie nur ratlos die Arme zum Himmel: „Ich weiß nicht, was ich denken soll; wir fahren selbst nur auf Sicht, das haben wir noch nie erlebt.“

„Dieses Jahr haben sie das Festival in Venedig mit dem Karneval verwechselt: Wir sind auf einem Maskenball“, witzelt derweil ein Journalist angesichts der allgemeinen Maskenpflicht im Palast und auf seinem Gelände. 

Die Masken und die Mauer werden es nicht verdecken können: Stars werden in diesem Jahr in Venedig nur wenige über den Roten Teppich wandeln. Hollywood steht weiter unter Lockdown, da freuen sich die Fotografen schon, wenn sie das US-Model Taylor Marie Hill oder die spanische Schauspielerin Ester Expósito vor die Linse bekommen.

Festivaldirektor Alberto Barbera gibt sich gelassen. „Wird es weniger Glamour geben? Ja. Wird es weniger Stars auf dem Roten Teppich geben? Mit Sicherheit“, sagt er der Nachrichtenagentur AFP. „Aber es wird so viele gute Filme geben, 65 insgesamt aus 50 verschiedenen Ländern – das ist ein Zeichen für den Reichtum und die Vielfalt des zeitgenössischen Kinos.“ Und er fügt hinzu: „Wir sind es leid, Filme im Streaming zu sehen“.

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AFP/Redaktion
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