Dem „Triumphator“ droht die Niederlage

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Donald Trump - Bild: Gage Skidmore
Donald Trump - Bild: Gage Skidmore

Zuletzt hat Donald Trump, der andere so gerne als „Verlierer“ verhöhnt, wiederholt über eine ihm drohende Niederlage gesprochen. „Könnt ihr euch vorstellen was passiert, wenn ich verliere?“ rief der US-Präsident kürzlich bei einer Wahlkampfveranstaltung seinen Anhängern zu. „Ich würde mich nicht so gut fühlen. Vielleicht müsste ich das Land verlassen.“

Natürlich sind solche Aussagen des Politik-Unterhalters und früheren Reality-TV-Stars immer Show – und nebenbei eine Gelegenheit, seinen Herausforderer Joe Biden als „schlechtesten Kandidaten der Politik-Geschichte“ zu attackieren. Aber nach vier turbulenten und von Skandalen geprägten Amtsjahren könnte die Zeit des Rechtspopulisten im Weißen Haus tatsächlich bald vorbei sein. Der zweifellos umstrittenste Präsident der jüngeren US-Geschichte liegt in Umfragen vor der Wahl klar hinter Biden.

Doch Trump könnte ein Mal mehr für eine gewaltige Überraschung sorgen. Wenn er nicht scherzhaft über eine mögliche Wahlniederlage sinniert, gibt der 74-Jährige sich unerschütterlich siegessicher. Sein Mantra: Die Umfragen hätten schon 2016 falsch gelegen, als er die Präsidentschaftswahl als krasser Außenseiter gegen die klar favorisierte Demokratin Hillary Clinton gewonnen hatte; und sie lägen jetzt wieder falsch.

In den vergangenen Monaten hat der Präsident zudem unentwegt behauptet, er könne nur durch massiven Betrug bei den Briefwahlen unterliegen. Das Land werde den größten Wahlbetrug seiner Geschichte erleben. Viele befürchten deswegen, dass Trump eine mögliche Abwahl nicht anerkennen könnte – mit unabsehbaren Folgen und möglicher Gewalt auf den Straßen.

Der Präsident hat das Land gespalten wie wohl kein anderer in den vergangenen Jahrzehnten. Von den einen gehasst und verachtet, hat der Verfechter des „Amerika zuerst“ zugleich eine treue, teils fanatische Anhängerschaft. Mit rabiaten politischen Kurswechseln, regelmäßigen Tabu- und Normbrüchen, wüsten Schimpftiraden auf seinem Lieblingskanal Twitter und persönlichen Beleidigungen politischer Gegner hielt er die USA – und die ganze Welt – pausenlos auf Trab.

Zahllose Affären und Skandale, die jeden anderen Politiker die Karriere gekostet hätten, überstand der Teflon-Präsident quasi unbeschadet. Die Ukraine-Affäre brachte ihm Ende 2019 als erst drittem Präsidenten der US-Geschichte ein Amtsenthebungsverfahren ein. Der Impeachment-Prozess endete aber in dem von seinen Republikanern kontrollierten Senat mit einem Freispruch, den Trump triumphal feierte.

Seine Beliebtheitswerte: nahezu unverändert, wie bei allen vorherigen und späteren Skandalen. Trumps Anhänger halten bedingungslos zu ihrem Präsidenten, der sich ungeachtet seiner privilegierten Herkunft und seines luxuriösen Lebensstils als Kämpfer für den kleinen Mann verkauft.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Trump stets ein historisch unpopulärer Präsident blieb. Schon die Wahl 2016 hatte der New Yorker Immobilienmogul trotz drei Millionen Stimmen Rückstand auf Clinton gewonnen. Zum Sieg verhalfen ihm die Besonderheiten des US-Wahlrechts. In den folgenden Jahren erreichte Trump, anders als alle seine Vorgänger der vergangenen Jahrzehnte, nie Zustimmungswerte über 50 Prozent.

Seinen Umfragehöhepunkt erzielte Trump – für viele eine bittere Ironie – kurzzeitig just zum Höhepunkt der Corona-Pandemie, ein in Krisenzeiten häufig beobachtetes Phänomen. Doch für sein Krisenmanagement hat der Präsident, der zwischenzeitlich das Spritzen von Desinfektionsmitteln an Menschen anregte, vernichtende Kritiken geerntet. Mehr als 228.000 Menschen sind in den USA bereits an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Das ist ein trauriger weltweiter Rekord.

Trump aber hat das Virus trotz neuer Höchstwerte bei den Infektionen für quasi besiegt erklärt. Zuletzt klagte der zwischenzeitlich selbst wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelte Präsident, die „Fake News“-Medien würden nur noch über „Covid, Covid, Covid“ berichten, um ihm zu schaden. Ex-Präsident Barack Obama nutzte das für die süffisante Spitze, sein als selbstverliebt geltender Amtsnachfolger sei „neidisch auf die Medienberichterstattung über Covid“.

Weltweite Medienaufmerksamkeit wird Trump nun rund um den Wahltag sicher sein. Für welche Schlagzeilen er sorgen wird, ist völlig offen.

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AFP/Redaktion
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