Der 70. Eurovision Song Contest hat einen Sieger – und er heißt DARA. Die bulgarische Sängerin Darina Nikolaewa Jotowa hat mit „Bangaranga“ mit 516 Punkten gewonnen – Bulgarien feiert damit seinen allerersten ESC-Sieg. DARA gewann dabei sowohl das Juryvoting mit 204 Punkten als auch das Televoting mit 312 Punkten. Ein klares Ergebnis – das sich trotzdem kaum jemand so vorgestellt hatte.
Der Abend: Wie Bulgarien gewann
Bulgarien hatte bereits das Juryvoting mit 204 Punkten für sich entschieden. Als dann die Televoting-Ergebnisse verkündet wurden, war die Entscheidung eindeutig: DARA hatte das Publikum ebenso überzeugt wie die Fachleute. In der Pressekonferenz nach dem Sieg sagte die 27-Jährige sichtlich ungläubig: „Ich hatte noch nie so eine“ – gemeint war die Trophäe in ihrer Hand. Sie habe das Gefühl zu träumen.
Letztjähriger Sieger JJ überreichte DARA die ESC-Trophäe. Auf der Bühne brach goldenes Konfetti über der Wiener Stadthalle herein.
Die Überraschung des Abends: Israel auf Platz zwei
Das eigentliche Gesprächsthema des Abends war nicht der Sieger – sondern der Zweite. Israel mit Noam Bettan landete mit 343 Punkten auf Platz zwei. Bevor der Sieg von DARA feststand, hätte es möglich sein können, dass Israel den Sieg holt – das indizierte einige Buhrufe im Publikum in der Wiener Stadthalle.
Das Ergebnis wirft Fragen auf, die bereits in den vergangenen Jahren diskutiert wurden. Israels Punktzahl von 343 Punkten kam dabei hauptsächlich durch die Zuschauerstimmen zustande. Wie in den Vorjahren stellt sich erneut die Frage, ob hinter dem starken Televoting-Ergebnis gezielte Mobilisierungskampagnen steckten – oder ob es sich um genuinen Publikumszuspruch handelte. Die EBU hatte die Regeln für 2026 bereits verschärft und die maximale Stimmzahl pro Person von 20 auf 10 reduziert. Geholfen hat das offenbar nur bedingt.
Fünf Länder hatten den ESC 2026 unter anderem wegen Israels Teilnahme boykottiert. Dass Israel am Ende auf Platz zwei landet – mit einem Ergebnis, das vor allem auf Zuschauerstimmen basiert – dürfte die Debatte über Israels ESC-Teilnahme für 2027 erheblich anheizen.
Die Favoriten enttäuschen: Finnland nur Sechster, Australien Vierter
Das war die zweite große Überraschung des Abends. Finnland, seit Monaten als Topfavorit gehandelt und mit rund 35 Prozent Siegchance in den Wettquoten geführt, landete mit 279 Punkten auf Platz sechs. Linda Lampenius und Pete Parkkonen lieferten – aber die Konkurrenz war stärker als erwartet.
Australien mit Delta Goodrem kam auf 287 Punkte und belegte Platz vier – nach dem enormen Stimmungsanstieg in den Quoten nach dem zweiten Halbfinale ein Ergebnis unter den Erwartungen. Goodrem überzeugte, reichte aber letztlich nicht an DARA heran.
Deutschland: 12 Punkte, Platz 23 – wie erwartet
Deutschland belegte Platz 23. Von den Jurys hatte Sarah Engels 12 Punkte bekommen, im Televoting ging sie leider leer aus. Der schwierige Startplatz zwei hatte nicht geholfen – und „Fire“ verschwand im Frühverlauf des Abends im kollektiven Gedächtnis des Publikums. Das Ergebnis war schmerzhaft, aber wenig überraschend. Die Buchmacher hatten Deutschland auf Platz 23 gehandelt – genau dort landete Sarah Engels. Immerhin: Deutschland war nicht Letzter.
Österreich und UK: Das Duell ums Ende
Das Vereinigte Königreich mit LOOK MUM NO COMPUTER und „Eins, Zwei, Drei“ landete mit einem einzigen Punkt auf dem letzten Platz – exakt das, was die Wettmärkte vorhergesagt hatten. Ein Beitrag, der zwar Aufmerksamkeit erzielte, aber weder Jury noch Publikum überzeugte.
Österreich mit COSMÓ und „Tanzschein“ kam auf sechs Punkte und belegte Platz 24 – vorletzter. Der Gastgeber hatte sich in den Proben und im zweiten Halbfinale stärker gezeigt als erwartet, konnte diesen Eindruck im Finale aber nicht bestätigen. Wien als Gastgeberstadt war spektakulär. COSMÓ als österreichischer Beitrag war es nicht.
