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Warum die Zentralstelle Cybercrime Bayern bundesweit eine wichtige Schlüsselrolle spielt

Warum die Zentralstelle Cybercrime Bayern bundesweit eine wichtige Schlüsselrolle spielt

Cybercime (über maksicfoto)

Cyberkriminalität gehört längst zu den größten Herausforderungen für Strafverfolgungsbehörden. Ransomware-Angriffe auf Unternehmen, betrügerische Krypto-Investments, Darknet-Marktplätze oder international organisierter Online-Betrug – viele Delikte werden heute nicht mehr an einem bestimmten Tatort begangen, sondern über Ländergrenzen hinweg im Internet.

Um auf diese Entwicklung zu reagieren, hat Bayern bereits 2015 die „Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB)“ bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg eingerichtet. Was zunächst mit zwei spezialisierten Staatsanwälten begann, hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer der bedeutendsten Spezialeinheiten für Cybercrime in Deutschland entwickelt. Heute arbeiten dort rund 30 spezialisierte Staatsanwälte sowie eigene IT-Forensiker, die sich ausschließlich mit besonders komplexen Verfahren befassen. In den vergangenen zehn Jahren hat die ZCB nach Angaben des Bayerischen Justizministeriums bereits mehr als 100.000 Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Von Hackerangriffen bis zum Darknet

Die Arbeit der ZCB beschränkt sich längst nicht auf klassische Hackerangriffe. Das Aufgabenspektrum reicht von groß angelegten Ransomware-Attacken über internationale Cybertrading-Betrugsnetzwerke bis hin zu Ermittlungen wegen Darknet-Kriminalität oder der Verbreitung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs im Internet. Gerade in diesen Verfahren arbeiten die Ermittler regelmäßig mit Europol, Interpol und Strafverfolgungsbehörden zahlreicher anderer Staaten zusammen.

Anders als bei vielen „klassischen“ Strafverfahren spielen Tatorte oder Landesgrenzen häufig nur noch eine untergeordnete Rolle. Täter nutzen verschlüsselte Kommunikationswege, Kryptowährungen oder Serverstandorte auf mehreren Kontinenten. Entsprechend aufwendig sind die Ermittlungen, die oftmals Monate oder sogar Jahre dauern.

Ermittlungserfolge mit internationaler Dimension

Welche Bedeutung die ZCB inzwischen erlangt hat, zeigt sich an einer Reihe aufsehenerregender Verfahren. Bundesweit bekannt wurden unter anderem die Ermittlungen gegen internationale Cybertrading-Netzwerke. Dabei gelang es den Ermittlern gemeinsam mit ausländischen Behörden, zahlreiche Tätergruppierungen zu identifizieren, Vermögenswerte in Millionenhöhe zu sichern und mehr als 180 Tatverdächtige im In- und Ausland festnehmen zu lassen. Allein im Bereich des Cybertradings wurden Verfahren gegen rund 3.000 betrügerische Plattformen geführt und Vermögenswerte von über 25 Millionen Euro gesichert.

Auch im Bereich des illegalen Streamings und der Darknet-Kriminalität tritt die ZCB regelmäßig als koordinierende Ermittlungsbehörde auf. Erst im vergangenen Jahr wurden gemeinsam mit dem Bayerischen Landeskriminalamt mehrere Betreiber eines mutmaßlich professionell organisierten IPTV-Netzwerks festgenommen. Dabei sicherten die Ermittler zahlreiche Server sowie mehrere Terabyte an digitalen Beweismitteln.

Digitale Beweise entscheiden häufig über den Ausgang eines Verfahrens

Mit der technischen Entwicklung verändern sich auch Strafverfahren. Während früher Zeugenaussagen oder klassische Urkunden häufig im Mittelpunkt standen, entscheiden heute nicht selten Smartphones, Cloudspeicher oder Messenger-Verläufe über den weiteren Verlauf eines Ermittlungsverfahrens.

Die Auswertung dieser Daten gehört zu den anspruchsvollsten Bereichen moderner Strafverfolgung. Ermittler analysieren dabei nicht nur sichtbare Dateien, sondern auch Metadaten, Zeitstempel, Chat-Backups oder Synchronisierungsvorgänge. Gerade diese technischen Details können später darüber entscheiden, wie digitale Spuren rechtlich zu bewerten sind.

„Ein digitaler Fund beantwortet noch lange nicht alle rechtlichen Fragen“

Wie komplex diese Verfahren tatsächlich sind, bestätigt auch Strafverteidiger Dr. Matthias Brauer, der als Inhaber einer Kanzlei für Strafrecht in Nürnberg regelmäßig Mandanten in umfangreichen Ermittlungsverfahren vertritt.

„Cybercrime-Verfahren gehören heute zu den anspruchsvollsten Ermittlungsverfahren überhaupt. Viele Menschen gehen davon aus, dass eine auf einem Computer oder Smartphone gefundene Datei automatisch einen eindeutigen Beweis darstellt. Die Praxis ist jedoch deutlich komplexer. Häufig muss zunächst geklärt werden, wie Daten überhaupt auf ein Gerät gelangt sind, wer darauf Zugriff hatte und welche Aussagekraft digitale Spuren tatsächlich besitzen. Gerade deshalb entscheidet häufig nicht der erste Verdacht, sondern die sorgfältige Auswertung der Ermittlungsakte über den weiteren Verlauf eines Strafverfahrens.“

Nach Einschätzung Brauers gewinnen deshalb sowohl technische Sachverständigengutachten als auch die forensische Auswertung digitaler Datenträger zunehmend an Bedeutung.

Die Bedeutung der ZCB dürfte weiter wachsen

Mit der fortschreitenden Digitalisierung werden Cybercrime-Verfahren auch künftig weiter zunehmen. Gleichzeitig entwickeln sich die Tatmethoden kontinuierlich weiter – von KI-gestützten Betrugsmaschen über professionell organisierte Cybertrading-Netzwerke bis hin zu komplexen Angriffen auf Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern hat sich in den vergangenen Jahren als eine der wichtigsten Ermittlungsstellen Deutschlands etabliert. Ihre Arbeit zeigt, dass moderne Strafverfolgung heute längst nicht mehr an Landesgrenzen endet, sondern internationale Zusammenarbeit, technisches Spezialwissen und digitale Forensik voraussetzt. Gerade deshalb dürfte die ZCB auch künftig eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung schwerer Internetkriminalität spielen.

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