Auswärtiges Amt warnt: Spanien kämpft um seine Reputation als Touristendestination

Valenica, Spanien
Valenica, Spanien

Nach dem starken Anstieg der Corona-Infektionen in einigen Regionen kämpft Spanien um seine Reputation als Touristendestination. Trotz des Wiederaufflammens von Infektionsherden sei Spanien für Touristen „sicher“, bekräftigte die Regierung in Madrid am Dienstag. Zuvor hatte das Auswärtige Amt von nicht notwendigen touristischen Reisen in die Regionen Katalonien, Aragón und Navarra abgeraten.

„Wir wollen eine klare Botschaft des Vertrauens in unser Land senden“, sagte Regierungssprecherin María Jesús Montero nach der wöchentlichen Kabinettssitzung. „Wir sind ein sicheres Reiseziel“. Spanien habe ausreichend Vorbereitungen getroffen, „um mit dem Virus und möglichen Ausbrüchen fertig zu werden“. Spaniens Wirtschaft hängt besonders stark vom Tourismus ab.

Von den deutschen Reisehinweisen betroffen sind somit auch die beliebten Touristenziele Barcelona, die Costa Brava sowie das gesamte spanische Pyrenäengebiet. Die Balearen mit der Urlauberinsel Mallorca, die Kanarischen Inseln sowie andere südlicher gelegene spanische Urlaubsgebiete blieben verschont. Auch auf eine formelle Reisewarnung für die betroffenen Region verzichtete das Auswärtige Amt zunächst. 

In Großbritannien gilt bereits seit Sonntag eine 14-tägige Quarantäne für Heimkehrer aus ganz Spanien. Norwegen hatte am Freitag eine zehntägige Quarantänepflicht für Reiserückkehrer aus Spanien eingeführt und Frankreich seinen Bürgern von Reisen nach Katalonien abgeraten.

Besonders die Entscheidung Londons stieß bei Regierungschef Pedro Sánchez auf heftige Kritik. Die bei britischen Urlaubern beliebten Reiseziele wie etwa die Balearen, die Kanarischen Inseln oder die Regionen Valencia und Andalusien hätten derzeit niedrigere Infektionsraten als Großbritannien, sagte Sánchez am Montag im Fernsehsender Telecinco. 

Sánchez teilte mit, dass seine Regierung mit London darüber verhandele, die „unausgewogene“ Quarantäne-Maßnahme zu überdenken. Spanien wolle mit Großbritannien weiterhin im Umgang mit der Pandemie zusammenarbeiten, betonte der Ministerpräsident.

Der britische Premierminister Boris Johnson verteidigte die Quarantäne-Entscheidung. In einigen Gebieten Europas gebe es Anzeichen für eine „zweite Welle der Pandemie“, sagte Johnson am Dienstag in Nottingham. Deshalb müsse seine Regierung „rasch und entschieden“ handeln, um diesen Gefahren zu begegnen. 

Nach Kritik auch aus dem eigenen Land deutete Johnson aber ein mögliches Einlenken an. Auf die Frage, ob die Quarantäne auf zehn Tage verkürzt werden könne, sagte der britische Premierminister, sein Land suche nach Wegen, wie sich „die Auswirkungen abmildern lassen“.

Mit mehr als 28.400 Corona-Toten ist Spanien das am viertschwersten betroffene Land in Europa nach Großbritannien, Italien und Frankreich. Derzeit zählen die Behörden rund 280 neuere Ausbruchsherde, vor allem in Katalonien und Aragón. 

Die Behörden reagierten bereits mit verschärften Schutzmaßnahmen. So müssen die Menschen in vielen Regionen bereits zu jeder Zeit in der Öffentlichkeit Masken tragen. Am Dienstag führte auch Madrid eine derartige permanente Maskenpflicht ein. Zudem gilt dort ab 01.30 Uhr ein Ausgehverbot, Bars und Nachtclubs müssen darüber hinaus die Kontaktdaten ihrer Kunden genau erfassen. 

Wirtschaftlich hat die Krise das Land ebenfalls schwer getroffen: Nach Angaben des spanischen Statistikinstituts (INE) hat die wochenlange strikte Ausgangssperre im zweiten Quartal mehr als eine Million Jobs zerstört. Am schwersten von der Krise betroffen war der Dienstleistungssektor, wo laut INE fast 817.000 Arbeitsplätze verloren gingen.

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte die Arbeitslosenrate in Spanien auf bis zu 20,8 Prozent ansteigen. Die Regierung in Madrid geht von einem Höchststand von 19 Prozent aus. 

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