Im Porträt: CSU-Chef Markus Söder

Markus Söder - Bild: Peter Kneffel/Pool via Reuters
Markus Söder - Bild: Peter Kneffel/Pool via Reuters

Der Anlass des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in Bayern ist ein sachlicher: Sie will das bayerische Kabinett um Ministerpräsident Markus Söder (CSU) über ihre Agenda für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft informieren. Aber der äußere Rahmen für den Besuch wirkt mit dem prächtigen Schloss Herrenchiemsee ein bisschen wie Werbung für Söder, der als Kanzlerkandidat gehandelt wird, auch wenn er dies angeblich nicht werden will.

Üblicherweise tagt das bayerische Kabinett in der Münchner Staatskanzlei, doch besondere Gäste und Anlässe bekommen einen besonderen Rahmen. Das Schloss am Chiemsee ist nun ein ausnehmend besonderer Rahmen – bei gutem Wetter gibt es dort Bilder von fast kitschiger Schönheit.

Die Kanzlerin in ihrer Spätphase und der 53 Jahre alte, ehrgeizige CSU-Chef scheinen ganz nach dem Motto „vergessen und verziehen“ miteinander umzugehen. Noch 2018 hatte Söder in seinem holprig verlaufenden Landtagswahlkampf geätzt, zu ihm komme keine Kanzlerin, sondern ein Kanzler – statt Merkel holte er sich damals Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz zur Wahlkampfunterstützung.

Mittlerweile schwärmt Söder in den höchsten Tönen von Merkel, und auch ihr scheint die Nähe zu Söder nur recht zu sein. Das freundliche Miteinander ist eine Win-win-Situation – Merkel und Söder dominieren die Beliebtheitsumfragen in der Bevölkerung und verhelfen damit auch ihren Parteien CDU und CSU zu hohen Zustimmungswerten.

Fragen Meinungsforscher nach dem Wunsch-Nachfolger für Merkel, steht der Franke wie jüngst im ZDF-„Politbarometer“ weit vorne. Un das trotz Söders wiederholter Äußerung, sein Platz sei in Bayern.

Doch die vergangenen Wochen sind ein Lehrstück dafür, wie Söder und die CSU kommunizieren. Noch rund um den Jahreswechsel distanzierte sich Söder mit Nachdruck von eigenen Kanzlerambitionen. Damals waren seine bundesweiten Umfragewerte allerdings auch noch mittelmäßig.

Mittlerweile steht Söder weit vor Konkurrenten wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), und plötzlich ändern sich die Nuancen in seinem Nein. Es klingt nicht mehr ganz so kategorisch; parallel dazu formulieren er und andere plötzlich Ansprüche an einen Kanzlerkandidaten. 

Nur wer sich in der Coronakrise bewährt habe, könne antreten, sagte Söder vergangenes Wochenende dem „Tagesspiegel“: „Nur wer Krisen meistert, wer die Pflicht kann, der kann auch bei der Kür glänzen.“ Flankierend dazu sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt dem Portal „The Pioneer“: „Es geht um Kompetenz, es geht um Zustimmung und es geht um Chance.“ 

Wer sich aber die Frage stellt, wessen Krisenmanagement am besten bewertet wird und wer die höchsten Zustimmungswerte hat, landet im Moment zwangsläufig bei Söder. Er weiß: Nur wenn auch die CDU diese Zwangsläufigkeit sieht, hat er eine Chance – gegen den Willen der Schwesterpartei kann er keine Ambitionen anmelden.

Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass der 1967 in Nürnberg geborene Söder überhaupt einmal als ernsthafter Kandidat gehandelt werden würde. Auch in der eigenen Partei schauten sie lange kritisch auf den von manchen als leichtfüßig, von anderen als Ehrgeizling empfundenen verheirateten Familienvater.

Doch dem gegenüber steht eine tadellose Biographie. Söder ist promovierter Jurist, ausgebildeter Fernsehredakteur und schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert Berufspolitiker. 1994 wurde er Landtagsabgeordneter, war vier Jahre CSU-Generalsekretär, hat elf Jahre Ministererfahrung und sich mittlerweile als Nachfolger von Horst Seehofer als Regierungs- und Parteichef etabliert.

Schon zur jüngsten Bundestagswahl wollte Seehofer Söder nach Berlin schicken – dabei ging es Seehofer aber darum, einen Konkurrenten vom Hals zu bekommen. Damals prägte Söder den Satz, sein Platz sei in Bayern. Doch wie die zu erwartende Harmonie-Demonstration von Merkel und Söder am Dienstag zeigen wird, kann sich manches schnell ändern in der Politik.

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