Millionen Arbeitslosen in den USA droht im August Absturz in Armut

Symbolbild: Obdachloser Mann mit Einkaufswagen
Symbolbild: Obdachloser Mann mit Einkaufswagen

In den USA blicken derzeit Millionen Arbeitslose voller Angst auf den kommenden Monat: Zum 31. Juli laufen die von der US-Regierung beschlossenen Sonderzahlungen für 32 Millionen Menschen aus, die in Corona-Krise ihren Job verloren haben und wegen des Wirtschaftseinbruchs keine Arbeit finden. Ohne die staatliche Unterstützung droht vielen Betroffenen der soziale Absturz. Sie setzen nun darauf, dass sich Präsident Donald Trump und der Kongress auf eine Verlängerung der Hilfen einigen.

Die Sonderzahlungen wurden im April beschlossen, als die Corona-Pandemie die USA überrollte und wöchentlich für Millionen neue Arbeitslose sorgte. Seither erhalten die Empfänger zusätzlich 600 Dollar (524 Euro) pro Woche. Mit dem Geld können sie ihre Rechnungen begleichen und Kredite bedienen, die Miete bezahlen und Lebensmittel einkaufen, wie Gary Burtless, Wirtschaftswissenschaftler der Denkfabrik Brookings Institution, der Nachrichtenagentur AFP sagt.

Sollten sich Trump und der Kongress nicht einigen und die Unterstützungen zum Monatsende auslaufen, könnten nicht nur Millionen Menschen in Armut stürzen, sondern auch die wirtschaftliche Erholung der USA einen Rückschlag erhalten, warnen Analysten von Oxford Economics. Durch den Wegfall der Sonderprogramms würden sich demnach die Haushaltseinkommen der betroffenen Familien mindestens halbieren – mit gravierenden Folgen für die vom Binnenkonsum getriebene US-Wirtschaft. Eine Verlängerung der Sonderzahlungen bis Ende des Jahres würde dagegen eine Million bestehende Jobs retten.

Dank dem Sonderprogramm der Regierung konnten insbesondere Familien mit geringem Einkommen trotz der Krise weiter Geld ausgeben und damit für Umsätze bei Unternehmen sorgen, wie Wirtschaftswissenschaftler Burtless erläutert. In der Folge konnten die Firmen Jobs erhalten.

Die reguläre Arbeitslosenhilfe in den USA regeln die Bundesstaaten. Deshalb fallen Höhe und Dauer dieser Unterstützung teils sehr unterschiedlich aus. In Maryland etwa haben Arbeitslose Anspruch auf Hilfe während sechs Monaten, in Georgia oder Nevada nur für drei Monate. In Mississippi erhalten Betroffene normalerweise 235 Dollar pro Woche, in Massachusetts sind es 823 Dollar.

Wie schwer es Arbeitslose derzeit in den USA haben, zeigten die langen Warteschlangen vor den Jobcentern. Manchmal verbringen dutzende Menschen die Nacht vor den Einrichtungen, nur um anderntags vorsprechen zu können. Zudem sind viele Jobcenter im Land wegen der Pandemie geschlossen. Diese breitete sich jüngst wieder massiv aus. Dies führte zu erneuten Schließungen von Unternehmen, Geschäften und Restaurants – und heizte die Angst vor weiteren Massenentlassungen an.

Dennoch gilt eine Verlängerung der Sonderhilfen nicht als ausgemacht. Die Präsidentschaftswahl Anfang November wirft ihre Schatten voraus und dürfte im Kongress zu heftigen Debatten führen. Erst am Montag empfing Trump Vertreter von Demokraten und Republikanern zu Gesprächen, wie die „Washington Post“ berichtete.

Gegner des Sonderprogramms warnen, dass dessen Verlängerung Arbeitslose davon abhält, sich um einen neuen Job zu bemühen. Tatsächlich erhalten viele Empfänger durch die Extra-Zahlungen derzeit mehr Geld, als sie durch eine Arbeitstätigkeit verdienen würden.

„Wenn die Höhe der Hilfen zu hoch ist, werden einige Leute keinen Job suchen“, räumt Burtless ein. Allerdings seien derzeit viel mehr Menschen verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle, als es freie Stellen gibt, die dringend zu besetzen wären. Burtless rät dem Kongress deshalb zu einer Verlängerung des Sonderprogramms bis Ende Dezember – allerdings in geringerem Umfang von 200 oder 150 Dollar wöchentlich.

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AFP/Redaktion
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