Reisewarnung für Paris und Côte d’Azur ist ein herber Schlag

Nizza, Frankreich
Nizza, Frankreich

Die deutsche Reisewarnung für den Großraum Paris, die Côte d’Azur und die Provence ist nicht nur für Frankreich-Liebhaber ein herber Schlag: Die französische Tourismusbranche war bereits zuvor durch die Corona-Pandemie schwer getroffen. Eine neue Stornierungswelle für diese Gebiete droht. Zahlreiche in Frankreich lebende Deutsche fragen sich zudem, ob sie nun noch ihre Familien in der Heimat besuchen können.

Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt ab sofort für die Île de France rund um Paris sowie die Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur. Letztere umfasst bekannte Reiseziele wie Marseille, Nizza, Cannes und Aix-en-Provence. In diesen Gebieten urlauben normalerweise zahlreiche Ausländer, darunter auch viele Deutsche. Doch in diesem Jahr waren die Pariser Hotels nur zu knapp einem Drittel ausgelastet, an die Côte d’Azur und die Provence reisten vorwiegend Franzosen.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, schließt sogar eine erneute Reisewarnung für ganz Frankreich nicht aus. Er verwies auf die von der EU festgelegten Kriterien: „Wenn fünfzig Neuinfektionen pro hunderttausend Einwohner in sieben Tagen zu erkennen sind, dann muss man reagieren.“ Bereits von Mitte März bis Mitte Mai hatte Deutschland seine Grenzen zu Frankreich weitgehend dicht gemacht.

In den letzten Tagen der Sommerferien steigen die Infektionszahlen in Frankreich wieder deutlich an. Das liegt wie in Deutschland auch daran, dass sich Rückkehrer kostenlos testen lassen können. Ein massiver Ansturm auf die Testlabore ist die Folge, die Ergebnisse lassen meistens Tage auf sich warten.

„Help!“, schreibt eine Nutzerin in einer deutschen Facebook-Gruppe in Paris, die ihre Familie in Deutschland besuchen will. „Gibt es irgendwo einen schnellen Corona-Test, den ich hier in Paris machen könnte, um nicht in Quarantäne in Deutschland zu müssen?“ 

Andere fürchten eine ähnliche Situation wie im Frühjahr, als sie Lebenspartner oder Freunde jenseits der Grenze plötzlich nicht mehr besuchen konnten. „Wer soll das alles kontrollieren?“, fragt eine Facebook-Nutzerin. „Wieder diese Verunsicherungen.“

Eine Grenzschließung ist die Reisewarnung allerdings nicht: Auch künftig können Deutsche nach Frankreich reisen und in den Risikogebieten lebende Deutsche in die Heimat. Sie müssen bei der Rückkehr dann aber einen verpflichtenden Corona-Test und eine bis zu 14-tägige Quarantäne in Kauf nehmen. 

Zudem haben die Bundesländer einige Ausnahmen für die Einreise aus Risikogebieten festgelegt, die in den jeweiligen Landes-Verordnungen nachzulesen sind. Dazu zählen etwa Saisonarbeitskräfte oder Menschen, die ihre in Deutschland wohnenden Lebenspartner oder hilfsbedürftige Angehörige für weniger als 72 Stunden besuchen wollen.

In Frankreich wird derweil über eine neue Verschärfung der Corona-Maßnahmen diskutiert. Am Dienstag tagte dazu bereits das Kabinett unter Leitung von Präsident Emmanuel Macron. In Städten wie Paris, Marseille und Nizza gilt bereits eine weitgehende Maskenpflicht im Freien, auch in Schulen und Unternehmen soll sie ab dem 1. September greifen. 

Daneben sind unter anderem in Marseille strikte Sperrzeiten für Restaurants und Bars im Gespräch. Eine zweite Corona-Welle will das Land mit bereits mehr als 30.500 Corona-Toten unbedingt vermeiden.

Der deutsche Tourismusbeauftragte Bareiß gibt sich indessen zweckoptimistisch: Würden die Ansteckungszahlen unterschritten, könne auch wieder „aufgemacht“ werden, betonte er in den Sendern RTL und ntv. Zunächst könnten nach seinen Worten davon Mallorca-Reisende profitieren, sollte das Robert-Koch-Institut dafür den Weg frei machen.

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