OECD: Corona-Folgen treffen Minderheiten überdurchschnittlich hart

Symbolbild: Coronavirus
Symbolbild: Coronavirus

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) befürchtet eine überdurchschnittliche Benachteiligung von gesellschaftlichen Minderheiten durch die Coronakrise. Alte Menschen, Behinderte und ethnische Minderheiten seien einem erhöhten Gesundheits- und Sterberisiko ausgesetzt, erklärte die OECD im Vorwort zu einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Die Pandemie habe deren vergleichsweise schwache soziale Positionen noch verschärft. Politische Maßnahmen zur Integration von Minderheiten kämen häufig den Privilegierten innerhalb dieser Gruppen zugute.

Die Autoren der Studie empfehlen, das Augenmerk auf die am stärksten Benachteiligten zu legen. Insgesamt bleibe vollständige Integration ein Fernziel, heißt ein Fazit der Studie. So hätten sich die gesellschaftlichen Einstellungen in den OECD-Ländern gegenüber Migranten und ethnischen Minderheiten in den vergangenen Jahren polarisiert.

In einer repräsentativen Befragung gaben demnach nur 55 Prozent an, dass ihre Nachbarschaft ein guter Wohnort für Migranten, Homosexuelle und ethnische Minderheiten sei. Auch der Fortschritt auf dem Arbeitsmarkt sei ungleichmäßig, erklärte die OECD. Noch immer seien überdurchschnittlich viele Frauen und Migranten in der Gastronomie beschäftigt, die von Coronakrise besonders hart getroffen worden sei.

Die Studie zeigt jedoch auch positive Entwicklungen auf. So seien die Gesellschaften und Arbeitsmärkte diverser geworden. Von 2400 befragten Personalfachleuten gaben 85 Prozent an, dass in den vergangenen fünf Jahren das Thema Diversität in den Ländern mehr Aufmerksamkeit bekommen habe, für den Arbeitsplatz sagten dies 65 Prozent.

Zudem verringerten sich zwischen 2007 und 2017 in zwei von drei OECD-Ländern die Beschäftigungslücken zwischen Männern und Frauen sowie zwischen älteren und jüngeren Arbeitnehmern um 25 Prozent. Die Studie untersuchte bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie die Situation von Migranten, Homosexuellen, Senioren, Behinderten und Frauen in den 35 OECD-Mitgliedsländern. Dafür befragte sie 40 öffentliche und private Gleichstellungsgremien und wertete repräsentative Umfragen aus.

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