Damit wird US-Präsident Donald Trump wegen seiner Corona-Infektion behandelt

Donald Trump - Bild: Gage Skidmore/CC BY-SA 2.0
Donald Trump - Bild: Gage Skidmore/CC BY-SA 2.0

Nach seiner Corona-Infektion wird US-Präsident Donald Trump nach Angaben des Weißen Hauses mit dem Antivirus-Mittel Remdesivir behandelt. Auch der experimentelle Antikörper-Cocktail REGN-COV2 wurde dem Präsidenten laut seinem Leibarzt verabreicht. Was über die Wirkung und Risiken der Medikamente bekannt ist:

Remdesivir

Das antivirale Medikament Remdesivir wurde von dem US-Konzern Gilead eigentlich zur Behandlung von Ebola entwickelt. In den USA und Japan hat das Medikament bereits Ausnahmegenehmigungen für die Behandlung von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus erhalten. 

Die EU-Kommission hatte Remdesivir Anfang Juli auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) im Schnellverfahren eine bedingte Marktzulassung erteilt. Die EMA empfahl die Zulassung des Antivirus-Mittels allerdings ausschließlich für Corona-Patienten ab zwölf Jahren, die an einer Lungenentzündung leiden oder mit Sauerstoff versorgt werden müssen. Am Freitag wurde bekannt, dass die EU-Behörde derzeit Berichte über mögliche Nierenschäden durch die Einnahme von Remdesivir prüft.  

Über die Eignung von Remdesivir als Anti-Corona-Mittel hatte es von Anfang an Streit gegeben. Im April hatten chinesische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „The Lancet“ eine Studie veröffentlicht, laut der „kein statistisch signifikanter klinischer Nutzen“ durch den Einsatz von Remdesivir bei Corona-Patienten zu erkennen sei. Der Gilead-Konzern und der renommierte US-Virologe Anthony Fauci hatten die Studienergebnisse aus China als nicht aussagekräftig bezeichnet – es habe zu wenige Probanden gegeben.

Remdesivir dringt in Viren ein und verhindert damit ihre Vermehrung. Klinische Studien an Rhesusaffen und Corona-Patienten zeigten, dass die Virusreplikation bei der Anwendung von Remdesivir gehemmt und Lungenschäden reduziert werden. Bei der Mehrheit der Behandelten trat zudem eine Verbesserung hinsichtlich des Sauerstoffbedarfs ein.

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) beruht der Nutzen von Remdesivir vor allem auf einer statistisch signifikanten Verkürzung der Genesungszeit – vor allem bei Patienten, denen Sauerstoff zugeführt wird. Laut RKI sollte Remdesivir maximal zehn Tage lang verabreicht werden und erstmals in der Frühphase der Corona-Erkrankung eingesetzt werden. Ein späterer Behandlungsbeginn könnte demnach möglicherweise nachteilig sein. 

REGN-COV2

Der experimentelle Antikörper-Cocktail REGN-COV2 des US-Pharmakonzerns Regeneron befindet sich derzeit noch in der Testphase. Der Wirkstoff ist eine Kombination aus zwei speziell entwickelten Antikörpern, die sich an das sogenannte Spike-Protein des Coronavirus binden und so dessen Struktur deformieren können. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass das Coronavirus menschliche Zellen angreifen kann. Die Kombination aus zwei verschiedenen Antikörpern soll laut Regeneron verhindern, dass der Erregervirus Sars-COV2 mutiert.

Präklinische Studien zeigten laut Regeneron, dass REGN-COV2 die Virusmenge in den Lungen von Corona-Patienten reduziert. Infizierte, die nicht im Krankenhaus behandelt wurden, erholten sich demnach schneller von ihrer Infektion als Patienten in der Kontrollgruppe, die ein Placebo-Mittel erhielten.  

Nach Herstellerangaben wurden ihm Rahmen der Erprobungsphase in den USA bislang 275 Patienten mit dem Wirkstoff behandelt. Nach Angaben von Regeneron-Vorstand George Yancopoulos befindet sich das Unternehmen derzeit in Gesprächen mit den US-Behörden über eine Notfallzulassung des Medikaments. Klinische Studien mit dem Medikament finden auch in Großbritannien statt. 

Experten übten Kritik daran, dass Trump ein noch nicht zugelassenes Arzneimittel verabreicht wurde. „Es ist schlechte Wissenschaft, schlechte Medizin und schlechte Ethik, mächtigen Leuten unerprobte Dinge zu geben, die man normalen Leuten nicht gibt“, kritisierte etwa der Medizindozent Vinay Prasad von der Universität von Kalifornien in San Francisco.

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