Merkel: Kontakte reduzieren, wo immer das möglich ist

Angela Merkel auf der Bundespressekonferenz
Angela Merkel auf der Bundespressekonferenz

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat anlässlich des Inkrafttretens der neuen Corona-Schutzmaßnahmen eindringlich dazu aufgerufen, diese ein- und auch einen Monat lang durchzuhalten. „Jeder hat es in der Hand, diesen November zu einem gemeinsamen Erfolg zu machen“, sagte Merkel am Montag vor Journalisten in Berlin. Das Einhalten der Regeln sei nun entscheidend dafür, „ob dies Kraftanstrengung etwas bringt“.

„Wir müssen Kontakte reduzieren, wo immer das möglich ist“, rief Merkel die Bürgerinnen und Bürger auf. Sie wisse, dass die Menschen den neuen Einschränkungen zwar mit viel Verständnis und Einsicht, manche aber auch mit „Zweifel, Skepsis und Ablehnung“ begegneten. Auch die Regierungschefs von Bund und Ländern hätten die Maßnahmen „schweren Herzens beschlossen“, jedoch „auch aus Überzeugung“. 

Die Kanzlerin äußerte Verständnis für Zweifel und Ungeduld vieler Bürger. „Ich kann Unmut und Unwillen verstehen, muss trotzdem für Akzeptanz werben“, sagte sie. Die Pandemie sei „so etwas wie ein Naturereignis, eine Naturkatastrophe, mit der wir umgehen müssen“. Das „Licht am Ende des Tunnels“ sei „noch ziemlich weit entfernt“.

Merkel verwies auf die Verdreifachung der Zahl der Neuinfektionen binnen 14 Tagen. Auch die Zahl der Intensiv-Patienten habe sich in zehn Tagen verdoppelt und steige weiter an. Es gebe immer mehr Menschen, „die infiziert sind und durch die Gegend laufen, ohne dass sie gewarnt worden sind“, weil die Gesundheitsämter mit der Kontaktnachverfolgung nicht mehr nachkämen. Der sogenannte Inzidenzwert liege deutschlandweit bei 127,8 neuen Fällen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner.

Deutschland erlebe bei den Neuinfektionen derzeit ein exponentielles Wachstum, „das uns auf eine akute Notlage in unseren Krankenhäusern zulaufen lässt“, warnte die Kanzlerin.

Notwendig seien daher nun „vier Wochen lang Verzicht auf das, was das Leben schön macht“, es sei leider nicht mehr der Zeitpunkt, wo es ausreiche, bei den Schutzmaßnahmen „nur diese oder jene kleine Variante zu machen“. Sie habe mit den Ministerpräsidenten „lange abgewogen, ob es einen milderen Weg gibt, aber wir haben ihn nicht gesehen“, sagte die Kanzlerin. 

Merkel wollte sich nicht darauf festlegen, ob die neuen Einschränkungen Ende November tatsächlich auslaufen. „Wir werden politisch alles tun, damit es auf den November beschränkt bleibt“, sagte sie. Konkrete Voraussagen könne sie aber noch nicht machen. Mit Blick auf die Feiertage sagte sie: „Es wird ein Weihnachten unter Corona-Bedingungen sein, aber es soll kein Weihnachten in Einsamkeit sein.“

Ihr sei auch bewusst, dass Kultur und Gastronomie nun ein „Opfer für uns alle bringen“ müssten, sagte Merkel. Als Gegenleistung verwies sie auf die angekündigten Wirtschaftshilfen. Die Kanzlerin bekräftigte aber auch, dass nicht nur Geschäfte und Betriebe, sondern vor allem auch die Schulen und Kitas offen bleiben sollten.

Merkel teilte zudem mit, dass bislang rund 38.000 positiv auf das Virus getestete Bürger über die Corona-App ihre Kontaktpersonen gewarnt hätten. Allerdings hätten bislang nur 60 Prozent der positiv Getesteten von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Dies sei noch nicht genug: „Hier liegt eine große Aufgabe vor uns.“

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