EU und AstraZeneca führen nach Angaben beider Seiten „konstruktives“ Gespräch

Symbolbild: Europäische Union
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Die EU-Kommission und der Corona-Impfstoff-Hersteller AstraZeneca haben nach Angaben beider Seiten ein „konstruktives“ Gespräch zur Entschärfung ihrer Streitigkeiten geführt. Bei dem Treffen am Mittwoch habe ein „konstruktiver Ton“ geherrscht, teilte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides mit. Ähnlich äußerte sich ein AstraZeneca-Sprecher: Es habe eine „konstruktive und offene Diskussion“ mit der Kommission gegeben.

Kyriakides beklagte allerdings, dass es weiterhin einen „Mangel an Klarheit“ über den zeitlichen Ablauf der Lieferung des AstraZeneca-Vakzins an die EU gebe. Entsprechende „feste vertragliche Verpflichtungen müssen eingehalten werden“, insistierte sie in einer Botschaft im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Der AstraZeneca-Sprecher erklärte, beide Seiten hätten sich zu einer „sogar noch engeren Koordination“ des Fahrplans für die Lieferung des Impfstoffs in den kommenden Monaten verpflichtet. Er bekräftigte, dass das Unternehmen das Präparat als gemeinnützige Aktion „ohne Profit“ liefern werde, damit Millionen EU-Bürger geimpft werden könnten.

Es war das bereits dritte Gespräch in dieser Woche zwischen der EU-Kommission und dem britisch-schwedischen Unternehmen über die Verzögerungen bei der Auslieferung von dessen Impfstoff an die Europäische Union. Die Spannungen zwischen der Kommission und AstraZeneca hatten sich nach den ersten beiden Gesprächen vom Montag weiter verschärft.

Vor dem Treffen am Mittwoch hatte Kyriakides eine Bereitstellung des AstraZeneca-Vakzins für die EU aus zwei britischen Produktionsstätten verlangt, die bislang vor allem Großbritannien beliefern. Die Regierung in London bestand jedoch darauf, dass sich an der Menge der für Großbritannien bestimmten Impfstoffdosen nichts ändern dürfe.

AstraZeneca hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, der EU wegen Produktionsproblemen in einem Werk in Belgien in nächster Zeit deutlich weniger Impfstoff liefern zu können als vorgesehen. Zunächst war von einer Verringerung um 60 Prozent im ersten Quartal die Rede. Ein EU-Vertreter sprach inzwischen von 75 Prozent. Brüssel stört besonders, dass Großbritannien und andere Nicht-EU-Länder offenbar weiterhin ungekürzte Mengen erhalten.

Vor dem Gespräch mit der Brüsseler Kommission am Mittwoch hatte AstraZeneca-Chef Pascal Soriot die Lieferverzögerungen in einem Interview mit mehreren europäischen Zeitungen damit begründet, dass die EU ihren Vertrag mit dem Unternehmen später abgeschlossen habe als die EU. Auch habe sich sein Unternehmen gegenüber der EU überhaupt nicht zu festen Liefermengen verpflichtet, sondern lediglich dazu, „dass wir unser Bestes geben werden“.

Diese Ansicht sei „weder richtig noch akzeptabel“, konterte Kyriakides. Auch stehe in dem Vertrag nicht, „dass irgendein Land oder das Vereinigte Königreich Vorrang hat, weil es früher unterzeichnet hat“. 

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AFP/Redaktion
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