Hoffnung auf ein weiteres Standbein bei der Immunisierung gegen das Coronavirus

Impfung - Bild: Nodar via Twenty20
Impfung - Bild: Nodar via Twenty20

Der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca hat nun auch in der Europäischen Union eine Zulassung seines Corona-Impfstoffs beantragt. Damit könnte in Deutschland und den anderen EU-Ländern zu den Impfstoffen des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer sowie des US-Unternehmens Moderna demnächst ein dritter Impfstoff dazu kommen. Dabei hat das zusammen mit der Universität Oxford entwickelte Astrazeneca-Vakzin den Vorteil, dass es deutlich billiger und leichter zu lagern ist.

Auf welcher Methode basiert der Astrazeneca-Impfstoff?

Es handelt sich um einen Vektorviren-Impfstoff. Das bedeutet, dass ein Virus, das normalerweise Schimpansen befällt, durch den Einbau des sogenannten Spike-Proteins des neuartigen Coronavirus genetisch verändert wurde. 

Mit dem Spike-Protein, einer stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche, heftet sich das Coronavirus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen. Wenn das Vektorvirus dem Menschen in minimaler Menge injiziert wird, kann dieser Antikörper gegen das Spike-Protein und damit gegen das neuartige Coronavirus bilden.

Wie wirksam ist der Astrazeneca-Impfstoff?

Die Entwickler meldeten im November ein Zwischenergebnis, wonach der Impfstoff durchschnittlich zu 70 Prozent wirksam sei. Die Vakzine von Biontech und Moderna sind hingegen zu rund 95 Prozent wirksam. 

Durch Zufall stellte Astrazeneca fest, dass die Wirksamkeit seines Impfstoffes 90 Prozent betrug, wenn Probanden zunächst nur eine halbe Dosis und bei der zweiten Injektion einen Monat später eine ganze Dosis erhielten. Wenn beide Male eine volle Dosis gespritzt wurde, lag die Wirksamkeit hingegen nur bei 62 Prozent.

Laut britischer Aufsichtsbehörde könnte die Wirksamkeit aber auch vom Abstand zwischen den beiden Impfdosen abhängen. Wegen der von Experten geäußerten Zweifel an dem Zufallsbefund kündigte Astrazeneca Ende November eine „zusätzliche Studie“ zur Wirksamkeit bei einer verringerten Impfdosis an. „Wir denken, wir haben die Siegerformel herausbekommen“, sagte Astrazeneca-Chef Pascal Soriot Ende Dezember der „Sunday Times“.

Er geht davon aus, dass der Impfstoff auch gegen die neue, offenbar ansteckendere Coronavirus-Variante wirksam ist, die sich insbesondere im Süden Englands ausgebreitet hat. Wenn es notwendig sein sollte, könne Astrazeneca aber auch eine auf diese Virus-Variante zugeschnittene neue Version seines Impfstoffs entwickeln, versicherte Soriot.

Welche Vorteile hat das Vakzin von Astrazeneca?

Der Impfstoff von Astrazeneca ist mit einem Preis von rund zwei Euro pro Dosis ziemlich günstig. Außerdem lässt er sich bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad lagern. Damit ist er ideal für großangelegte Impfkampagnen.

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer benötigt bei längerer Lagerung hingegen eine extrem niedrige Temperatur von minus 70 Grad. Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Moderna muss immerhin auf minus 20 Grad heruntergekühlt werden.

Wann wird der Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland und dem Rest der EU eingesetzt?

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) will den Antrag auf bedingte Zulassung des Astrazeneca-Impfstoffs bereits bis Ende Januar prüfen. Dieses beschleunigte Verfahren wurde dadurch ermöglicht, dass die EMA bereits vor dem Zulassungsantrag begonnen hat, die Sicherheit und Wirksamkeit des Mittels in einem laufenden Prüfungsverfahren, dem sogenannten „Rolling Review“, zu begutachten. 

Für den Fall einer Zulassung hat die EU vorgesorgt: Sie hat sich bereits vor Monaten vertraglich 300 Millionen Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs gesichert und eine Option auf weitere 100 Millionen Impfdosen ausgehandelt.

Die USA gehen nach Behördenangaben davon aus, dass der Astrazeneca-Impfstoff erst im April die Zulassung erhält. Kurz nach der weltweit ersten Zulassung des Mittels Ende Dezember in Großbritannien hatte bereits Argentinien das Vakzin zugelassen, später zog das bevölkerungsreiche Indien nach.

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AFP/Redaktion
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