Rechtsradikale Proud Boys marschieren für Trump auf

Donald Trump - Bild: Tia Dufour/Weißes Haus
Donald Trump - Bild: Tia Dufour/Weißes Haus

Vor der endgültigen Bestätigung von Joe Biden als neuer US-Präsident marschieren die berüchtigten Proud Boys in Washington auf. Die als besonders gewaltbereit geltenden Anhänger der rechtsradikalen Gruppierung unterstützen den abgewählten Präsidenten Donald Trump und wollen das für Mittwoch angesetzte Votum des Kongresses torpedieren. Doch kurz vor Beginn der mit Sorge erwarteten Proteste nahm die Polizei den eigens aus Florida angereisten Chef der Proud Boys fest.

Der 36-jährige Enrique Tarrio soll im Dezember während Protesten ein Plakat der Black-Lives-Matter-Bewegung aus einer afroamerikanischen Kirche in Washington entwendet und verbrannt haben. Dem Proud-Boys-Chef wird zudem vorgeworfen, zum Zeitpunkt seiner Festnahme zwei Magazine für Schnellfeuerwaffen bei sich gehabt zu haben, was in der US-Hauptstadt verboten ist.

Die Proud Boys (etwa: die stolzen Kerle oder stolzen Jungs) wurden 2016 vom rechten Aktivisten und Journalisten Gavin McInnes gegründet. Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center (SPLC) stuft die Gruppierung als „Hassgruppe“ ein, als islam-, einwanderungs- und frauenfeindlich sowie gewaltbereit. Der Gründer McInnes bezeichnet die Proud Boys hingegen lediglich als „pro-westliche Bruderschaft“, die sich der politischen Korrektheit des liberalen Lagers widersetze.

Die Proud Boys weisen den Vorwurf des Rassismus zwar zurück; Beobachter weisen aber darauf hin, dass Mitglieder immer wieder rassistische Kommentare im Internet teilen und an Aufmärschen rassistischer Gruppen teilnehmen, so etwa beim berüchtigten Marsch von Rechtsextremen in Charlottesville im Jahr 2017.

Am Rande der Anti-Rassismus-Bewegung Black Lives Matter vergangenes Jahr traten teilweise bewaffnete Proud Boys immer wieder in Erscheinung. Es kam zu Zusammenstößen mit Aktivisten der linken Antifa-Bewegung.

Im Streit um den Ausgang der Präsidentschaftswahl vom 3. November stehen die Proud Boys fest an der Seite des abgewählten Amtsinhabers Trump. Der Präsident selbst suchte wiederholt den Schulterschluss mit den Rechtsradikalen. Für Aufregung sorgte besonders sein Appel im ersten Fernsehduell mit seinem Wahl-Herausforderer Biden: „Proud Boys – haltet euch zurück und haltet euch bereit,“ sagte Trump in Anspielung auf militante Proteste.

Der Rechtspopulist war in der Debatte eigentlich aufgefordert worden, sich von rassistischen Gruppierungen zu distanzieren. Stattdessen zeigte Trump ein Mal mehr Nähe zu Rechtsradikalen, erst nach heftiger Kritik nahm er seine Äußerungen einen Tag später zurück.

Die Proud Boys zeigten sich nach der TV-Debatte begeistert über Trumps Äußerungen und veröffentlichten im Internet ihr Logo mit der Aufschrift „Haltet euch zurück und haltet euch bereit“. Nun mobilisieren sie für die Proteste ab Dienstag in Washington – zusammen mit Trump, der seine Anhänger über den Onlinedienst Twitter zur Teilnahme aufrief.

Die Polizei fürchtet angesichts der angespannten Lage, dass es bei den Protesten zu Gewaltausbrüchen kommen könnte. Sie kündigte an, dass bewaffnete Demonstranten wie Proud-Boys-Chef Tarrio festgenommen würden.

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AFP/Redaktion
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