Vogelgrippe-Virus H5N8: Klöckner mahnt zur Vorsicht auch in Deutschland

Julia Klöckner - Bild: CDU Rheinland-Pfalz/ Thorsten Silz
Julia Klöckner - Bild: CDU Rheinland-Pfalz/ Thorsten Silz

In Russland ist nach Behördenangaben weltweit erstmals das Vogelgrippe-Virus H5N8 auf Menschen übertragen worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei über diese „wichtige Entdeckung“ bereits informiert worden, sagte die Leiterin der russischen Gesundheitsschutzbehörde, Anna Popowa, am Samstag. Wissenschaftler hätten das Virus bei sieben Menschen in einer Geflügelfabrik nachgewiesen, in der im Dezember bei Tieren die Vogelgrippe aufgetreten war. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mahnte zu erhöhter Vorsicht in Deutschland. 

Die sieben Arbeiter aus der Geflügelfabrik in Südrussland fühlten sich mittlerweile wieder „gut“, sagte Popowa im russischen Fernsehen. Die Erkrankung sei bei allen Infizierten ohne Komplikationen verlaufen. Popowa lobte „die wichtige wissenschaftliche Entdeckung“ durch Mitarbeiter des Vektor-Labors. Die Zeit werde zeigen, ob das Virus weiter mutiere. Da sich das Virus derzeit offenbar noch nicht von Mensch zu Mensch übertrage, gebe das „der ganzen Welt Zeit, sich auf mögliche Mutationen vorzubereiten und angemessen und rechtzeitig zu reagieren“.

Das Vektor-Labor sei bereit, mit der Entwicklung von Testkits zu beginnen, um Ansteckungen beim Menschen zu erkennen, sagte Laborchef Rinat Maxjutow in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Zudem werde das Labor mit der Arbeit an einem Impfstoff beginnen. Zu Sowjetzeiten wurden im Vektor-Labor in der Region Nowosibirsk biologische Waffen entwickelt. Heute steht das Labor hinter einem der drei in Russland zugelassenen Corona-Impfstoffe.

Die WHO bestätigte, sie sei von Russland über den Fall informiert worden und bemühe sich um weitere Informationen. Sollte sich die Information bestätigen, handele es sich um die erste Übertragung des Vogelgrippe-Virus H5N8 auf Menschen, erklärte ein WHO-Sprecher. Die WHO wies allerdings darauf hin, dass die infizierten Arbeiter keine Krankheitssymptome hatten und es bisher auch keine Anzeichen für eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt.

In Deutschland wurden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums bislang 625 Vogelgrippe-Fälle bei Wildvögeln und 65 Fälle bei Hausgeflügel bestätigt. Es gebe zwar keine Hinweise darauf, dass die aktuell in Deutschland vorhandenen H5N8-Viren auf den Menschen übertragen werden könnten, hieß es. Das Ministerium verfolge die Informationen aus Moskau aber sehr aufmerksam. Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit stehe mit russischen Experten in Kontakt. 

Klöckner wies darauf hin, dass tote und kranke Vögel dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden sollen. An sich sei das Auffinden eines toten Vogels auf einem Feld oder im Wald nichts Besonderes, teilte ihr Ministerium am Sonntag mit. Wenn aber mehrere Vögel an einem Fundort verendet seien, sei das Informieren des Veterinäramtes sinnvoll. Tote Vögel sollten nicht angefasst werden, warnte die Ministerin. Wer sie doch angefasst habe, sollte sich sofort die Hände desinfizieren. 

Die auch als Geflügelpest bezeichnete Vogelgrippe tritt sowohl bei Wildvögeln als auch immer wieder in Geflügelbetrieben auf. Auch in Deutschland wurde sie immer wieder nachgewiesen. Das Virus H5N8 ist für die Vögel in der Regel tödlich, eine Gefahr für den Menschen wurde bisher nicht angenommen. 

Es gibt verschiedene Subtypen von Vogelgrippe-Viren, darunter auch das Virus H5N1, das bei Menschen zu schweren Erkrankungen führen kann. Die Sterblichkeitsrate liegt dabei bei 60 Prozent.

Der letzte große Ausbruch der Geflügelpest in Deutschland und anderen europäischen Staaten hatte sich im Winter 2016/17 ereignet. In der Bundesrepublik wurden hunderttausende Tiere in Geflügelfarmen gekeult, um das Geschehen einzudämmen.

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