Covax-Initiative: Bündnis für internationale Solidarität beim Impfen

Impfstoff - Bild: manjurulhaque via Twenty20
Impfstoff - Bild: manjurulhaque via Twenty20

Ghanas Staatschef Nana Akufo-Addo ist am Montag gegen Corona geimpft worden. Er war der erste Mensch weltweit, der das Vakzin über die internationale Corona-Impfinitiative Covax erhielt. Die unter anderem von Deutschland und den USA mitgetragene Initiative soll die massive Ungleichheit zwischen den reichen Industrieländern und den armen Schwellen- und Entwicklungsländern bei den Corona-Impfungen wenigstens ein bisschen verringern.

DIE BETEILIGTEN

Der Globale Impfgipfel im Juni 2020 war der Startpunkt für die Initiative. Geleitet wird Covax gemeinsam von der WHO, der Impfallianz Gavi und dem Bündnis Cepi zur Impfstoffforschung. Etwa 190 Länder haben sich der Initiative angeschlossen, darunter 92 mit niedrigem und mittlerem Einkommen wie Indien, Nigeria, Pakistan und Vietnam. 

Nach dem Regierungswechsel in Washington traten Ende Januar auch die USA Covax bei, was der Initiative neuen Auftrieb verlieh. Vorbild für Covax sind ähnliche Bündnisse in der Vergangenheit, die eine faire Verteilung von Pneumokokken- und Ebola-Impfstoffen ermöglichten.

DAS ZIEL

Covax will sicherstellen, dass noch in diesem Jahr in jedem Land – egal ob reich oder arm – die am stärksten gefährdeten 20 Prozent der Bevölkerung gegen Covid-19 geimpft werden können. Solange sie nicht weltweit eingedämmt werde, lasse sich die Gefahr der Pandemie nicht bannen, heißt es zur Begründung.

Covax schloss mit den Herstellern Verträge über zwei Milliarden Impfdosen und sicherte sich Optionen auf eine weitere Milliarde – noch bevor die Vakzine zugelassen wurden. Damit will die Initiative Pharmaunternehmen Sicherheit geben, in die Produktion zu investieren, damit die Impfstoffe in großem Umfang und schnell einsatzbereit sind, sobald sie zugelassen werden.

DIE FINANZIERUNG

Im vergangenen Jahr gelang es der Initiative, die für den Start nötigen zwei Milliarden Dollar (1,65 Milliarden Euro) zusammenzubringen. Das Weiße Haus sagte anlässlich des virtuellen G7-Gipfels vor anderthalb Wochen vier Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro) für Covax zu. Die EU verdoppelte aus diesem Anlass ihren Beitrag auf eine Milliarde Euro. Die Bundesregierung kündigte beim G7-Gipfel an, den weltweiten Kampf gegen das Coronavirus mit weiteren 1,5 Milliarden Euro zu unterstützen. Ein Teil dieser Summe soll Covax zugute kommen.

DIE IMPFSTOFFE

Covax hat mit mehreren Herstellern Verträge geschlossen, darunter Johnson & Johnson und Astrazeneca. Die WHO gab bislang für die Vakzine von Biontech-Pfizer und Astrazeneca grünes Licht für die weltweite Verteilung durch die Covax-Initiative.

VERTEILUNG DER VAKZINE

Die WHO fürchtet, dass es bei der weltweiten Verteilung der Vakzine nicht gerecht zugehen werde. Sie kritisierte den „Impfstoff-Nationalismus“ der reichen Länder, die sich in direkten Vereinbarungen mit den Herstellern Vakzine für die eigene Bevölkerung sicherten.

Covax plant in der ersten Hälfte dieses Jahres die Verteilung von mehr als 337 Millionen Corona-Impfstoffdosen in rund 145 Ländern. Die Zuteilung erfolgt proportional zur Einwohnerzahl der betreffenden Staaten. Die erste Lieferung erhielt Ghana, wo am Montag der Präsident geimpft wurde und die Impfkampagne am Dienstag starten soll. Indien soll mehr als 97 Millionen Dosen erhalten, Pakistan gut 17 Millionen Dosen und Nigeria 16 Millionen Dosen. Das besonders schwer von der Pandemie betroffene Brasilien kann mit 10,6 Millionen Impfdosen rechnen. 

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