EMA hält an positiver Bewertung von Astrazeneca-Impfstoff fest

Impfung - Bild: svetlaya via Twenty20
Impfung - Bild: svetlaya via Twenty20

Der Nutzen überwiegt das Risiko: An dieser Bewertung hält die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) trotz dutzender Fälle von seltenen Thrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung fest. Blutgerinnsel sollten aber als „sehr seltene Nebenwirkung“ des Impfstoffs aufgeführt werden, teilte die EU-Behörde am Mittwoch mit. Belgien will nach der EMA-Überprüfung nur noch über 55-Jährige mit dem Wirkstoff impfen. Auch der Gemeinsame Impfausschuss in Großbritannien empfahl, unter 30-Jährigen möglichst ein anderes Vakzin zu verabreichen. 

Trotz der Häufung von Thrombosefällen bei Frauen unter 55 Jahren konnte die EMA keine spezifischen Risikofaktoren für Blutgerinnsel nach einer Astrazeneca-Impfung wie etwa Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen feststellen, wie EMA-Chefin Emer Cooke mitteilte. „Eine plausible Erklärung für diese seltenen Nebenwirkungen ist eine Immunreaktion auf den Impfstoff.“ Insgesamt bleibe die EMA aber bei ihrer positiven Einschätzung des von der Oxford-Universität und dem britisch-schwedischen Konzern entwickelten Impfstoffs. „Er rettet Leben“, betonte Cooke. 

Nach einigen – auch tödlichen – Thrombosefällen hatten mehrere Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Kanada den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs eingeschränkt. So werden in Deutschland nur noch über 60-Jährige mit dem Vakzin geimpft. Belgien entschied am Mittwoch, nur noch über 55-Jährige mit dem Vakzin zu impfen. Andere Länder wie Dänemark und Norwegen setzten die Verwendung vorsichtshalber vollständig aus. 

Der Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte, dass immer mehr Länder die Empfehlungen der EMA ignorierten. Es werde deutlich, dass nicht nur bei der Beschaffung von Impfstoff sondern auch bei der Anwendung „das gemeinsame europäische Projekt zu scheitern droht“.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern vertagten derweil eine Entscheidung über den Umgang mit Zweitimpfungen von Menschen, die bereits einmal mit dem Präparat von Astrazeneca geimpft wurden. Das teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Mittwochabend mit. Nun solle es am Dienstag neue Beratungen unter Einbeziehung der Ständigen Impfkommission (Stiko) geben. 

Die EU-Gesundheitsminister berieten am Abend in einer Videokonferenz über die neue Stellungnahme der EMA. Die EU-Staaten müssten „mit einer Stimme sprechen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Impfung zu verbessern“, forderte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides auf Twitter. 

Kurz nach der EMA äußerte sich auch die britische Medikamentenaufsicht MHRA auf einer Pressekonferenz zu einer möglichen Verbindung zwischen dem Astrazeneca-Impfstoff und dem Auftreten von gefährlichen Blutgerinnseln. Demnach wurden bei landesweit mehr als 20 Millionen Astrazeneca-Impfungen 79 Fälle von gefährlichen Blutgerinnseln verzeichnet. 19 Patienten seien gestorben, teilte die MHRA mit. 

Aufgrund der Thrombosefälle sollte das Vakzin nach Einschätzung von Wissenschaftlern möglichst nur über 30-Jährigen gespritzt werden. Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren solle nach Möglichkeit ein anderer Impfstoff angeboten werden, erklärte der Gemeinsame Impfausschuss (JCVI) am Mittwoch. Das Gremium betonte aber, dass es keinen generellen Stopp der Astrazeneca-Impfungen für bestimmte Altersgruppen empfehle. 

Die Empfehlung ist ein Rückschlag für die erfolgreiche Impfkampagne der Briten, die bereits 60 Prozent ihrer erwachsenen Bevölkerung zumindest einmal geimpft haben. Premierminister Boris Johnson begrüßte dennoch die jüngsten Überprüfungen. „Wir werden den heutigen aktualisierten Ratschlägen folgen, die es Menschen aller Altersgruppen ermöglichen sollten, weiterhin volles Vertrauen in Impfstoffe zu haben“, schrieb er auf Twitter.

Großbritannien nutzt vor allem die Vakzine von Astrazeneca und Biontech/Pfizer. Am Mittwoch begannen die Behörden jedoch auch Impfungen mit dem Vakzin des US-Herstellers Moderna, das wie bei Biontech/Pfizer auf der sogenannten mRNA-Technologie basiert.

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AFP/Redaktion
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