Lange belächelt und oft unterschätzt: Armin Laschet setzt sich durch

Armin Laschet - Bild: Land NRW
Armin Laschet - Bild: Land NRW

Armin Laschet hat sich im Machtkampf mit CSU-Chef Markus Söder durchgesetzt. Der CDU-Vorsitzende geht nun als designierter Kanzlerkandidat der Union in den Wahlkampf. Niederlagen hat er in seiner Karriere viele einstecken müssen. Zu weich, zu leise, zu zaudernd erscheint er seinen Kritikern. Und doch: Ruhig und beharrlich bahnte sich Laschet seinen Weg nach oben.

LASCHET IN EIGENEN WORTEN:

In seiner Bewerbungsrede vor dem CDU-Parteitag im Januar für den Bundesvorsitz erläuterte Laschet sein ganz persönliches Verständnis von Politik: „Ich höre immer wieder den Satz: Man muss auch polarisieren können. Und ich sage: Nein, muss man nicht! Polarisieren ist einfach, das kann jeder. Wir müssen Klartext sprechen, aber nicht polarisieren.“

BIOGRAFIE:

1961 geboren in Aachen, wo er noch immer in einem Reihenhaus lebt. Mit 18 Jahren tritt er in die CDU ein. Laschet studiert Jura und arbeitet als Journalist. Es folgen Stationen als Abgeordneter im Bundestag und im Europaparlament. 2005 übernimmt Laschet erstmals ein Regierungsamt: In Nordrhein-Westfalen wird er Minister für Integration und Familie. 2017 gewinnt er die Landtagswahl gegen die regierende SPD und wird Ministerpräsident. Im Januar 2021 wird er zum Chef der Bundes-CDU gewählt.

SCHWÄCHEN:

Schon ein kurzer Blick in die aktuellen Umfragen offenbart Laschets Schwäche: Kaum jemand traut ihm das Kanzleramt zu, auch die meisten Unionsanhänger nicht. Anders als sein Rivale Söder vermeidet Laschet die allzu offensive Zurschaustellung von Machtwillen, Gestaltungsdrang und Amtsautorität. Laschet hat es bislang nicht geschafft, Zweifel an seiner Zugkraft auszuräumen. Begeisterung löst Laschets Kandidatur auch in der CDU nicht aus. Eine ganze Reihe von CDU-Politikern schlug sich im Machtkampf offen auf Söders Seite. Laschet ist angreifbar – kein guter Ausgangspunkt für den Wahlkampf.

STÄRKEN:

Kann so einer also wirklich Kanzler werden? Laschets Unterstützer verweisen auf seine große Integrationskraft, die ihn für den Kanzlerjob prädestiniere: Laschet führe Menschen und Meinungen zusammen, baue Brücken in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft. Sie deuten Laschets Ruhe als Stärke und verweisen auf die Stabilität seiner politischen Grundüberzeugungen. Mit seinem Wahlsieg in der alten SPD-Hochburg NRW habe er sich zudem als gewiefter Wahlkämpfer empfohlen. Laschet selbst sagt über sich: „Ich bin vielleicht nicht der Mann der perfekten Inszenierungen, aber ich bin Armin Laschet.“

POLITISCHES PROFIL:

Die CDU orientiert sich traditionell an drei Säulen – sie will konservativ, liberal und sozial sein. Laschet steht den sozialen und liberale Säulen am nächsten. Der CDU-Chef ist Sohn eines Bergmanns, er spricht gerne über gesellschaftlichen Ausgleich, die Industriearbeiterschaft in NRW hat er fest im Blick. Seine politische Wunschkonstellation ist erklärtermaßen eine Koalition mit der FDP, mit der er in NRW regiert. Aber auch zu den Grünen pflegt er gute Kontakte. Einen Bruch mit der Ära Merkel strebt er als CDU-Chef nicht an, er wirbt für ein „Weiter so“.

CHANCEN:

Aus dem Machtkampf mit CSU-Chef Söder hat der neue Kanzlerkandidat Blessuren davongetragen. Das Duell hat gezeigt, dass Söder nicht stark genug war, ihm die Kandidatur zu nehmen – dass Söders Stärke aber durchaus ausreichte, Laschet als schwach erscheinen zu lassen. Laschets Profil sei derart blass, dass er als Kanzlerkandidat der Union den Grünen den Weg ins Kanzleramt ebnen könnte, meint etwa der Meinungsforscher Manfred Güllner. Laschets Lager in der Union verweist auf einen Hoffnungsschimmer – nämlich, dass sich mit dem Voranschreiten der Impfkampagne bis Sommer die Stimmung wieder drehen könnte.

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AFP/Redaktion
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