Mordprozess um 1996 in Sandgrube entdecktes Opfer in Aachen begonnen

Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit
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Mehr als 24 Jahre nach dem Fund einer Männerleiche in einer Sandgrube im Kreis Kleve hat vor dem Landgericht Aachen ein Mordprozess gegen einen von zwei Tatverdächtigen begonnen. Zum Auftakt wurden am Dienstag die Anklage verlesen und Zeugen vernommen. Der Angeklagte Achim K. ließ die Verlesung still über sich ergehen und verweigerte die Aussage.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den 51-Jährigen, im Jahr 1996 einen 43 Jahre alten Mann aus Würselen grausam und aus Habgier in dessen Werkstatt getötet zu haben. Sein damaliger mutmaßlicher Komplize starb 1997 bei einem Autounfall.

Der 51-Jährige soll früher gelegentlich in der Werkstatt für Wohnmobile gearbeitet haben, die das spätere Opfer im Erdgeschoss seines Wohnhauses betrieb. Laut Anklage wollten K. und sein potenzieller Mittäter den Mann aus Würselen töten, um an einen Geldbetrag von 5000 Mark zu kommen, den dieser angeblich besessen haben soll.

Insgesamt 16 Mal soll dem Opfer „massiv“ auf dem Kopf und Rücken geschlagen worden sein. Ihm seien körperliche Schmerzen zugefügt worden, die „weit über das hinausgehen“, was für eine Tötung notwendig gewesen wäre, hieß es in der Anklage. Der Angeklagte und sein Mittäter sollen die Leiche ihres erdrosselten Opfers in eine etwa hundert Kilometer entfernte Sandgrube bei Rheurdt-Schaephuysen nahe Duisburg gebracht haben.

Die Leiche wurde im Dezember 1996 entdeckt. Weder eine Öffentlichkeitsfahndung noch eine Thematisierung des Falls in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ führten damals zur Identifizierung des Toten. Die Polizei sprach vom einzigen ungeklärten Mord der letzten Jahrzehnte im Kreis Kleve.

Die Ermittlungen der Krefelder Polizei leitete der damalige Kriminalhauptkommissar Gerhard Hoppmann, der als einer der wichtigsten Zeugen im Verfahren aussagte. Er selbst war damals mit am Fundort der Leiche. „Wir haben jeden Stein umgedreht“, sagte er über die Anfänge der Ermittlungen. Die Polizei sei jeder Spur nachgegangen, habe aber nirgendwo Anhaltspunkte finden können. Schließlich seien die Ermittlungen eingestellt worden. Der Fall sei allerdings „nie in Vergessenheit geraten“.

Bewegung in die Ermittlungen kam erst, als der Kriminalfall 2019 erneut bei „Aktenzeichen XY … ungelöst“ behandelt wurde. Den entscheidenden Hinweis brachte nach der Ausstrahlung ein Anrufer, der selbst angab, der Bruder eines Täters zu sein. „Ich kann Ihnen sagen, wie der Mann heißt und wo der herkommt“, sagte der Anrufer in dem aufgezeichneten Telefonat, das der Vorsitzende Richter Roland Klösgen abspielte. „Das belastet mich schon seit 23 Jahren.“

Er wisse „tausendmillionenprozentig“, um wen es sich bei dem Toten aus der Kiesgrube handle. Auf die Frage, was mit dem Mann aus Würselen passiert sei, antworte der Anrufer ohne zu zögern: „Der wurde ermordet.“ Mehr wolle er dazu allerdings nicht sagen. „Was soll man denn machen, wenn man zufälligerweise weiß, wer es war?“, fragte er die Mitarbeiterin der Sendung.

Die Vernehmung des Anrufers brachte die Polizei auf die richtige Spur, wie Hauptkommissar Hoppmann angab. Bei K.s späterer Festnahme sei er selbst dabei gewesen. Der Tatverdächtige habe auf seine Verhaftung „völlig neutral“ und „nicht groß erstaunt“ reagiert, erinnerte sich Hoppmann. Die Nummer seines Rechtsanwalts habe K. schon parat gehabt. „Ich hatte den Eindruck, der wusste schon Bescheid“, sagte der Hauptkommissar.

Der Mordprozess ist zunächst bis Anfang Mai angesetzt. Rund 30 Zeugen sind für die Verhandlung geladen. Allein zum Prozessauftakt sollten zwölf davon aussagen.

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