Radioteleskop von Effelsberg: Seit 50 Jahren auf Horchposten in die Unendlichkeit

Radioteleskop von Effelsberg - Bild: Wolkenkratzer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Radioteleskop von Effelsberg - Bild: Wolkenkratzer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wer weit ins All hinaushorchen will, muss erst einmal tief hinab ins Tal: In einer Senke bei Bad Münstereifel lauscht seit fast 50 Jahren das gigantische Radioteleskop von Effelsberg in die Tiefen des Universums – weitgehend abgeschirmt von irdischen Störgeräuschen, welche die schwachen Signale aus dem All überlagern würden. Am 12. Mai 1971 wurde der gigantische Schüsselbau eingeweiht, am 1. August 1972 erfolgte dann die vollständige Inbetriebnahme.

Lange blieb der Riese mit seiner 100-Meter-Schüssel das größte voll bewegliche Radioteleskop der Welt. Heute ist das 40 Kilometer südwestlich vom Bonn gelegene Radioteleskop immer noch das größte in Europa und das zweitgrößte weltweit. Betrieben wird die in gut dreieinhalb Jahren Bauzeit von 1967 bis 1971 errichtete Effelsberger Schüssel vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn.

Die Radioastronomie entwickelte sich seit ihren Anfängen vor 80 Jahren zu einer der wichtigsten Disziplinen bei der Erforschung des Alls. Ihr großer Vorteil im Vergleich zu optischen Beobachtungen ist, dass Radiosignale durch Staubwolken kaum absorbiert werden – im Gegensatz zum sichtbaren Licht.

Die Wissenschaftler wollen unter anderem wissen, wie stark Radioquellen strahlen und wie ihre Verteilung am Himmel aussieht. Zu den Objekten im All, die Radiowellen ausstrahlen, gehören neben Sonne, Planeten und den Zentren von Galaxien die sogenannten Pulsare – schnell rotierende Neutronensterne, die beim Tod von massereichen Sternen in einer Supernova-Explosion übrigbleiben.

Pulsare gelten als Leuchttürme in unserer Milchstraße, die Radiostrahlen entsenden. Wobei der Begriff Leuchtturm nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass die Signale von Radioquellen aus dem All in aller Regel extrem schwach sind. So wäre im Wellenlängenbereich von Mobiltelefonen ein eingeschaltetes Zwei-Watt-Handy auf dem Mond die vierstärkste Radioquelle an unserem Himmel.

Da war es kein Wunder, dass die Radioastronomen in den 60er Jahren bei der Standortsuche für das später in Effelsberg gebaute 100-Meter-Teleskop einen ganzen Katalog von Kriterien aufstellten. Um irdische Störquellen möglichst auszuschalten, sollte die Riesenantenne fernab von größeren Siedlungen und Hochspannungsleitungen gebaut werden.

Aus über 30 möglichen Standorten wurde schließlich das Tal beim Eifelort Effelsberg ausgewählt. Seit der Eröffnung des 3200 Tonnen schweren Teleskops nutzen Astronomen aus aller Welt das Rieseninstrument als Horchposten ins All. Einer der größten Erfolge in der Geschichte des Teleskopgiganten gelang im Jahr 2008: Damals stellten Astronomen in Effelsberg einen neuen Weltrekord bei der Suche nach dem am weitesten entfernten Wasser im Universum auf. Fündig wurden sie seinerzeit in einer Distanz von 11,1 Milliarden Lichtjahren.

Als Rückschau auf bisher 50 Jahre erfolgreicher Forschungsarbeit mit dem Effelsberger Radioteleskop wird in diesen Tagen ein neuer Wanderweg rund um die große Schüssel eröffnet – der sogenannte „Zeitreiseweg“. Er beschreibt auf insgesamt 20 Stationen eine Reihe von besonderen Ereignissen aus den vergangenen fünf Jahrzehnten – von der Eröffnung des Teleskops 1971 bis zu seinem 50. Geburtstag.

Darunter finden sich sowohl wissenschaftliche als auch technische Wegmarken, so von der erstmaligen Entdeckung der Moleküle Wasser und Ammoniak außerhalb der Grenzen unserer Milchstraße in den Jahren 1977 bis 1979. Auch technische Meilensteine wie der Einbau eines neuen Subreflektors mit aktiver Oberfläche im Jahr 2006 oder die Inbetriebnahme eines zweiten Radioteleskops vor Ort, der Effelsberg-Station des europäischen Lofar-Teleskopnetzwerks, sind Themen des „Zeitreisewegs“.

„Auch nach 50 Jahren ist das Teleskop ein astronomisches Instrument der Spitzenklasse“, erklärte der Leiter des Radioobservatoriums Effelsberg, Alex Kraus. „In den vergangenen Jahrzehnten wurden – abgesehen von der Grundstruktur – nahezu alle Komponenten beständig erneuert und verbessert. Nach wie vor ist die Nachfrage nach Messzeit hoch, und es kommen Beobachtungsanträge von Wissenschaftlern aus aller Welt.“

rh/cfm

© Agence France-Presse

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