Prozess in Wuppertal: „Die Kinder sind da, wo ich gleich sein werde“

Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit
Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit

Sechs Kinder brachte sie zur Welt, fünf davon soll sie heimtückisch ermordet haben. Die Vorwürfe gegen die 28-jährige Christiane K. könnten kaum schwerer wiegen. Seit Montag muss sie sich vor dem Landgericht Wuppertal verantworten. Zum Auftakt erscheint sie in einer kurzärmeligen, schwarz-weiß karierten Bluse und strahlend weißen Sneakern, die großen Augen sorgfältig geschminkt. Auf der Anklagebank wirkt die kleine, deutlich jünger aussehende Frau verloren.

Was in ihr vorgeht, als die Anklage verlesen wird, lässt sich an ihrem Gesicht kaum ablesen. Sie wirkt abwechselnd traurig und teilnahmslos, hin und wieder schließt sie die Augen oder starrt ins Leere. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, am 3. September 2020 ihre fünf jüngsten Kinder in ihrer Wohnung erstickt beziehungsweise erwürgt zu haben. Sie soll ihren drei Töchtern und zwei Söhnen zunächst Medikamente in die Frühstücksgetränke gemischt haben, um sie schläfrig zu machen. Die Kinder seien daraufhin eingeschlafen.

Danach habe habe K. im Badezimmer Wasser in die Wanne gelassen, Badespielzeug bereitgelegt sowie ein mobiles Heizgerät in den Raum gestellt und angeschaltet. Laut Staatsanwaltschaft weckte sie danach ein Kind nach dem anderen und verfuhr nach demselben Muster: Eins nach dem anderen tötete sie die Kinder in der Wanne, wickelte sie anschließend in Handtücher und legte sie zurück in ihre Betten.

Für die Angeklagte stellte sich der Tag der Tat offenbar ganz anders dar. Gegenüber einer psychiatrischen Gerichtsgutachterin brachte sie plötzlich einen unbekannten Dritten ins Spiel. Der Mann soll mit einem Mundschutz maskiert in die Wohnung der damals 27-Jährigen gekommen sein und sie gefesselt haben. Dann habe er die Kinder getötet. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um eine Schutzbehauptung handelt, wie Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt sagte.

Laut Anklage könnten Beziehungsprobleme ein Auslöser für die Taten gewesen sein. Am Tag der Tat habe K. erfahren, dass ihr Ehemann, von dem sie bereits seit einem Jahr getrennt lebte, in einer neuen Beziehung sei. Mit seiner neuen Lebenspartnerin soll er ein gemeinsames Foto als Statusmeldung bei Whatsapp hochgeladen haben. Im Laufe des Vormittags habe sie ihm geschrieben: „Die Kinder sind da, wo ich gleich sein werde.“

Ihrer Mutter habe sie anschließend geschrieben, dass die Kinder tot seien. Die Großmutter alarmierte die Polizei, welche die fünf getöteten Kinder in der Wohnung fand. K. wurde nach einem Suizidversuch im Düsseldorfer Hauptbahnhof verletzt im Krankenhaus behandelt. Ihr damals elfjähriger Sohn, der das Haus bereits am frühen Morgen für die Schule verlassen hatte, überlebte. Im Prozess tritt er als Nebenkläger auf.

Für den Prozess vor der Schwurgerichtskammer sind zunächst elf Verhandlungstage bis Mitte August angesetzt. Die Angeklagte befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Für das Verfahren sind mehrere Zeugen geladen, darunter Familienmitglieder und Ermittler.

Thomas Seifert, einer der Verteidiger der 28-Jährigen, warnte vor einer Vorverurteilung seiner Mandantin. „Sie hat gesagt, sie war das nicht“, sagte der Rechtsanwalt. Ob man das glaube oder nicht, sei eine andere Frage.

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