Tatverdächtiger im Missbrauchskomplex Münster stellt sich

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Nach einer Öffentlichkeitsfahndung hat sich ein weiterer Tatverdächtiger im Missbrauchskomplex Münster gestellt. Der 37-jährige Mann aus Berlin wurde am Dienstagabend widerstandslos in der Hauptstadt festgenommen, wie die Polizei in Münster am Mittwoch mitteilte. Die Ermittlungskommission im Missbrauchskomplex hatte kurz zuvor ein Bild des Tatverdächtigen veröffentlicht.

Er war laut Polizeiangaben auf mehreren beschlagnahmten Bild- und Videodateien zu sehen. Diese hätten „schwere sexuelle Missbrauchshandlungen“ an einem unbekannten männlichen Kleinkind gezeigt. Nach der Veröffentlichung des Fahndungsfotos seien bei der Polizei in Münster am Dienstag knapp vier Dutzend Hinweise am Telefon und per Mail eingegangen.

Mehrere Hinweise hätten konkret darauf hingedeutet, dass es sich bei dem Gesuchten um den 37-Jährigen aus Berlin handeln könnte. Der Tatverdächtige habe sich „aufgrund des großen Fahndungsdrucks“ noch am selben Abend gemeinsam mit seinem Rechtsanwalt telefonisch der Polizei gestellt.

Vor dem Landgericht Münster laufen derzeit mehrere Prozesse gegen Tatverdächtige der Missbrauchsserie. In dem als Hauptprozess geltenden Verfahren müssen sich neben dem Hauptbeschuldigten Adrian V. drei weitere Männer wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verantworten. Sie sollen gemeinsam teilweise über Tage hinweg Kinder in einer Gartenlaube schwer sexuell missbraucht haben. Die Taten, die zwischen Ende 2018 und März 2019 stattfanden, habe V. teilweise gefilmt oder fotografiert und die Aufnahmen im Darknet verbreitet.

Bei den weiteren Angeklagten handelt es sich um einen 31-Jährigen aus Staufenberg bei Gießen, einen 36 Jahre alten Mann aus Hannover sowie um einen 43-Jährigen aus dem brandenburgischen Schorfheide. Neben schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern werden ihnen Vergewaltigung sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Mutter des mutmaßlichen Haupttäters soll von den Taten gewusst haben und steht wegen Beihilfe vor Gericht.

Der Prozess begann im November zum Schutz der Opfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Staatsanwaltschaft forderte lange Haftstrafen und teils anschließende Sicherungsverwahrung. Ein Urteil könnte in der kommenden Woche fallen.

Vor dem Landgericht Münster laufen zudem noch weitere Verfahren gegen einzelne Beschuldigte. Ein erster Täter wurde bereits zu einer Haftstrafe verurteilt. In Dresden wurde im Januar Anklage gegen einen 55-Jährigen erhoben, der ebenfalls an dem Missbrauch beteiligt gewesen sein soll.

Der Komplex Münster ist eine von drei großen Missbrauchsserien, denen die Ermittler in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren auf die Spur kamen. Zuvor lösten bereits der jahrelang unentdeckt gebliebene Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde und der Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach bundesweit Entsetzen aus.

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