Frostige Temperaturen sorgen im Winter regelmäßig für vereiste Autoscheiben. Für viele Autofahrer bedeutet das morgens zusätzlichen Zeitaufwand sowie kalte Hände. Dennoch darf das Eiskratzen nicht vernachlässigt werden: Wer mit eingeschränkter Sicht fährt, riskiert Bußgelder und gefährdet die Verkehrssicherheit.
Wir erklären, wie Scheiben richtig enteist werden, welche Hilfsmittel sinnvoll sind – und welche Methoden tabu sind.
Eiskratzer bleibt die beste Lösung
Die zuverlässigsten Ergebnisse liefert weiterhin der Eiskratzer. Wichtig ist die richtige Ausführung: Metallschaber sind ungeeignet, da sie Glas und Lack beschädigen können. Empfohlen werden Kunststoffeiskratzer mit glatter Kante für dünnes Eis und gezahnter Kante für stärkere Vereisung. Praktisch sind Kombigeräte mit Besen, denn auch Dach, Motorhaube, Beleuchtung und Kennzeichen müssen von Schnee befreit werden.
Ein kleines Guckloch in der Frontscheibe reicht nicht aus. Unvollständig enteiste Scheiben können mit 10 bis 35 Euro Bußgeld geahndet werden. Seitenfenster und Außenspiegel müssen eine freie Sicht ermöglichen. Die Heckscheibe darf zwar unter bestimmten Voraussetzungen vereist bleiben, wenn beide Außenspiegel uneingeschränkt nutzbar sind – dennoch empfiehlt beispielsweise der ACV, alle Scheiben vollständig freizumachen.
Bankkarte nur im Notfall
Im Ausnahmefall kann eine Bankkarte helfen. Allerdings besteht das Risiko, dass sie beschädigt wird. Scharfkantige Kunststoffgegenstände wie Parkscheiben oder harte Plastikteile sind ungeeignet und können Kratzer verursachen.
Heißes Wasser und Hausmittel sind tabu
Heißes oder warmes Wasser darf nicht auf vereiste Scheiben gegossen werden. Der starke Temperaturunterschied kann zu Spannungsrissen oder Glasbruch führen. Auch selbst gemischte Hausmittel aus Wasser, Spülmittel oder Spiritus sind keine Lösung: Sie verursachen Schlieren, verschlechtern die Sicht und können Gummi- und Kunststoffteile angreifen.
Enteiserspray nur bei leichtem Frost
Enteisersprays können bei dünner Vereisung hilfreich sein. Sie tauen Eis an und verzögern das Wiedergefrieren. Bei stärkerem Eis oder Schnee stoßen sie jedoch an ihre Grenzen. Zudem unterscheiden sich Produkte deutlich in der Qualität – manche hinterlassen Schmierfilme auf der Scheibe.
Motor warmlaufen lassen ist verboten
Den Motor im Stand laufen zu lassen, um die Scheiben freizutauen, ist nach der Straßenverkehrsordnung verboten (§ 30 Abs. 1 StVO). Es verursacht unnötige Emissionen und Lärm. Es droht ein Bußgeld von bis zu 80 Euro zuzüglich Verwaltungskosten.
Warme Luft als Alternative
Zugelassene Heizlüfter für Fahrzeuge können Eis von innen auftauen und den Innenraum erwärmen. Haushaltsgeräte sind dafür ungeeignet und stellen ein Brandrisiko dar. Komfortabler, aber teuer, ist eine Standheizung: Sie enteist Scheiben vor Fahrtantritt und schont den Motor, kostet in der Nachrüstung jedoch meist deutlich über 1.000 Euro.
Vereisung vorbeugen spart Zeit
Am effektivsten ist es, Eisbildung zu verhindern. Abdeckfolien für die Windschutzscheibe schützen über Nacht vor Frost. Sie sollten korrekt befestigt werden, um Tür- und Fenstergummis nicht zu beschädigen.
Vorsicht bei Scheibenwischern
Unter dem Eis können Schmutzpartikel liegen, die beim Kratzen feine Kratzer verursachen. Diese beeinträchtigen die Sicht besonders bei tief stehender Sonne. Auch Scheibenwischer vereisen schnell: Ihre Gummilippen sollten vor Fahrtantritt enteist werden, da vereiste oder verschmutzte Wischer die Scheibe beschädigen können. Spezielle Eiskratzer für Wischerblätter sind im Handel erhältlich.



Kommentare