ZDF sendet KI-Bilder ohne Kennzeichnung – schwere Panne im „heute journal“

Dunja Hayali (über ZDF/Klaus Wedding)
Dunja Hayali (über ZDF/Klaus Wedding)

Das ZDF hat Fehler eingeräumt. Im „heute journal“ wurde bei einem Beitrag über Abschiebungen Minderjähriger durch die US-Behörde ICE KI-generiertes Bildmaterial verwendet – ohne Kennzeichnung, ohne Einordnung. Eine weitere Szene zeigte zwar reales Material, stammte jedoch aus einem anderen Kontext aus dem Jahr 2022.

Der Sender entschuldigt sich, entfernt den Beitrag von allen Plattformen und kündigt eine Korrektur an. Das ist richtig. Aber es reicht nicht, nur zu korrigieren.

Der Kern des Problems

Nach eigenen Angaben hätte die KI-Sequenz „nach den Regeln des ZDF“ nicht gesendet werden dürfen. Genau darin liegt der entscheidende Punkt: Die internen Standards existieren. Sie wurden nicht eingehalten.

In einer Zeit, in der Vertrauen in Medien unter Druck steht, ist die Verwendung nicht gekennzeichneter KI-Bilder besonders sensibel. Wenn künstlich erzeugtes Material in einem hochpolitischen Kontext – hier: Abschiebungen von Minderjährigen – eingesetzt wird, ohne dass Zuschauer dies erkennen können, entsteht ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

Noch gravierender ist die redaktionelle Abnahme. Beiträge durchlaufen mehrere Instanzen. Recherche, Schnitt, Redaktion, Schlussabnahme. Dass sowohl KI-Material ohne Kennzeichnung als auch kontextfremdes Archivmaterial gesendet wurden, wirft Fragen nach Kontrollmechanismen auf.

Verantwortung endet nicht bei der Entschuldigung

Anne Gellinek, stellvertretende Chefredakteurin und Leiterin der Aktualität bei ZDF, entschuldigt sich „in aller Form“. Das ist notwendig. Doch eine Entschuldigung ist der erste Schritt, nicht der letzte.

Es geht um strukturelle Konsequenzen: Wie wird KI-Material künftig gekennzeichnet? Welche Prüfprozesse greifen vor der Ausstrahlung? Wie wird Transparenz gegenüber dem Publikum hergestellt? Öffentlich-rechtliche Sender haben einen besonderen Auftrag. Sie finanzieren sich aus Beiträgen und beanspruchen journalistische Maßstäbe, die über dem Durchschnitt liegen sollen. Gerade deshalb müssen Fehler nicht nur benannt, sondern systematisch aufgearbeitet werden.

Die eigentliche Gefahr liegt nicht im einzelnen Fehlgriff, sondern im Eindruck, dass Bilder – ob echt oder künstlich – austauschbar sind. Journalismus darf diese Grenze nicht verwischen.

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