Für viele Autofahrer kann sich im kommenden Jahr die Einstufung ihrer Kfz-Haftpflichtversicherung ändern. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die neuen Regionalklassen für 2027 veröffentlicht – mit teils spürbaren Verschiebungen. Nach Angaben des Verbandes erhalten rund 5,2 Millionen Autofahrer in 63 Zulassungsbezirken eine günstigere Einstufung.
Für etwa 4,8 Millionen Versicherte in 46 Bezirken verschlechtert sich die Einstufung dagegen. Für mehr als 32 Millionen Autofahrer in 304 Bezirken bleibt die Regionalklasse unverändert.
Was die Regionalklasse überhaupt bedeutet
Die Regionalklasse beschreibt, wie sich das Schadenrisiko in einem Zulassungsbezirk im Vergleich zum Bundesdurchschnitt entwickelt. Entscheidend sind dabei insbesondere die Häufigkeit und die durchschnittliche Höhe der Schäden. Versicherern dient dies als Grundlage für eine risikogerechte Beitragskalkulation.
Für 2027 gibt es in der Kfz-Haftpflichtversicherung zwölf Regionalklassen. Das Prinzip: Je ungünstiger die regionale Schadenbilanz, desto höher die Klasse. Bundesweiter Spitzenreiter mit der besten Schadenbilanz ist der Zulassungsbezirk Elbe-Elster in Brandenburg mit einem Index von 67,32 – das entspricht Klasse 1. Am anderen Ende der Skala liegt Offenbach in Hessen, wo die Schadenbilanz fast 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt. Der Index von 139,44 entspricht Klasse 12. Entscheidend für die Einstufung ist dabei nicht der Ort, an dem ein Unfall passiert ist, sondern der Zulassungsbezirk des Fahrzeugs.
Keine automatische Beitragserhöhung
Wichtig für Verbraucher: Eine schlechtere Regionalklasse bedeutet nicht automatisch eine entsprechend höhere Versicherungsprämie. Sie ist lediglich ein Faktor der Beitragsberechnung. Auch die Typklasse des Fahrzeugs, die Schadenfreiheitsklasse, die Fahrleistung, das Alter und weitere Tarifmerkmale beeinflussen den Preis. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bestätigt, dass Versicherer solche Merkmale zur risikoadäquaten Kalkulation heranziehen.
Prüfung vor Kündigung
Der Automobilclub von Deutschland (AvD) empfiehlt, die neue Einstufung vor allem als Anlass für einen Versicherungscheck zu nutzen. Wer eine Beitragserhöhung erhält, sollte zunächst prüfen, wodurch diese konkret verursacht wird, und anschließend Preise und Leistungen verschiedener Anbieter vergleichen. Dabei sollte nicht allein der günstigste Beitrag ausschlaggebend sein – Deckungssummen, Selbstbeteiligung und weitere Vertragsbedingungen können im Schadenfall deutlich wichtiger sein. Die Regionalklasse selbst ist zudem keine verbindliche Vorgabe für Versicherer; maßgeblich bleibt immer der individuelle Tarif.
So gehen Verbraucher konkret vor
Autofahrer können ihre persönliche Regionalklasse über die aktuelle Regionalklassen-Abfrage des GDV online prüfen. Wer eine konkrete Beitragserhöhung nicht nachvollziehen kann, sollte sich laut AvD zunächst schriftlich an das Versicherungsunternehmen wenden. Bei einer deutlichen Erhöhung empfiehlt sich, zunächst das Sonderkündigungsrecht zu prüfen und anschließend Vergleichsangebote einzuholen. Erst wenn der passende neue Versicherungsschutz gesichert ist, sollte die Kündigung beim bisherigen Versicherer eingehen – möglichst innerhalb eines Monats nach Mitteilung der Beitragserhöhung.



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