Größter Mafia-Prozess in Italien seit 30 Jahren begonnen

Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit
Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit

In Italien hat der größte Mafia-Prozess seit mehr als 30 Jahren begonnen: Er startete am Mittwoch in einer zum Gerichtssaal umgebauten riesigen Lagerhalle in Lamezia Terme in Kalabrien mit der Verlesung der Namen der 355 Angeklagten. Der bekannte Anti-Mafia-Staatsanwalt Nicola Gratteri sprach von einem „bedeutenden Tag“, der sogenannte Maxi-Prozess soll nach dem Willen der Ankläger auch eine Machtdemonstration des Staates gegen das organisierte Verbrechen werden.   

Der Prozess richtet sich gegen die kalabrische Mafiaorganisation ‚Ndrangheta, konkret den Mancuso-Clan. Angeklagt sind mutmaßliche Mitglieder sowie ihre mutmaßlichen Helfer und Helfershelfer unter anderem bei der Polizei, in Verwaltungen und auch in der Politik. Ihnen wird unter anderem Mord, versuchter Mord, Drogenhandel, Geldwäsche und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Unter den Angeklagten ist auch Clan-Chef Luigi Mancuso, der bereits 20 Jahre hinter Gittern verbrachte.

Der Prozess werde der Welt „eine Vorstellung davon geben, was die kalabrische Mafia heute ist“, sagte Gratteri vor Journalisten. „Es handelt sich nicht mehr um eine Mafia von Hirten, die Entführungen betreibt, sondern um ein riesiges Verbrechenssyndikat.“

Gratteri, der wegen seiner Ermittlungen seit Jahrzehnten unter Polizeischutz steht, saß in der ersten Reihe des riesigen Saals, als Richterin Tiziana Macri den Prozess mit der Verlesung der Namen der Angeklagten eröffnete. Diese waren allerdings wegen der Corona-Pandemie nicht vor Ort, sondern per Video zugeschaltet. Sie waren in dem riesigen Raum auf unzähligen Bildschirmen zu sehen.

An dem Prozess sind rund 400 Anwälte beteiligt, mehr als 900 Zeugen sollen gehört werden. Unter den Zeugen sind nach Angaben der Anklage auch rund 50 Insider, die bereit sind, ihr Schweigegelübde gegenüber der ‚Ndrangheta, die sogenannte Omerta, zu brechen.

Die Staatsanwaltschaft hofft, dass der Prozess eine Machtdemonstration des Staates gegen die ‚Ndrangheta wird, die tonnenweise Kokain nach Europa schmuggelt und ihre Arme in alle Welt ausgestreckt hat. Es wird damit gerechnet, dass der Prozess mindestens ein Jahr lang dauern wird. 

Die meisten Angeklagten waren im Dezember 2019 bei koordinierten nächtlichen Razzien in Italien, Deutschland, der Schweiz und Bulgarien festgenommen worden. Dass auch Politiker, Anwälte und Geschäftsleute auf der Anklagebank sitzen, zeigt nach Angaben von Experten, wie gut vernetzt die weltweit agierende ‚Ndrangheta in ihrer süditalienischen Heimatregion Kalabrien ist.

Die „Maxi-Prozesse“ gegen die Mafia sind nicht unumstritten wegen der Schwierigkeit, jedem der vielen Angeklagten ein faires Verfahren zu ermöglichen. Die Staatsanwälte argumentieren aber, die weitverzweigten Aktivitäten der ‚Ndrangheta ließen sich schwerlich in vielen kleinen Prozessen verhandeln.

Die Größe des nun beginnenden Prozesses wird nur durch Italiens ersten „Maxi-Prozess“ übertroffen, der 1986/87 in Palermo gegen die sizilianische Cosa Nostra geführt worden war. Damals wurden am Ende 338 Angeklagte verurteilt. Die beteiligten Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino wurden später von der Mafia ermordet.

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AFP/Redaktion
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