Grenzkontrollen bei eisiger Kälte

Symbolbild: Polizei
Symbolbild: Polizei

Die Polizisten am Grenzübergang im bayerischen Kiefersfelden haben eine harte Nacht hinter sich: Stellenweise sank das Thermometer auf minus 20 Grad. Dick eingepackt in neongelbe Warnjacken, mit Mütze und Maske kontrollieren sie seit der Nacht zu Sonntag jedes einzelne Fahrzeug, das die Grenze vom österreichischen Tirol aus nach Deutschland überqueren will. Aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung der deutlich ansteckenderen Corona-Mutanten hat die Bundesregierung für Tschechien, die Slowakei und Tirol harte Einreisebeschränkungen verhängt.

Die befürchteten Staus bleiben an der Kontrollstelle Kiefersfelden am Sonntag aber aus, dort ist die Lage weitgehend entspannt. Bei immer noch eisigen Temperaturen, aber strahlendem Sonnenschein rollt der Verkehr am Mittag nur langsam über die Grenze. „Es werden viele Fahrzeuge zurückgeführt nach Österreich“, sagt Rainer Scharf, Sprecher der Bundespolizei. „Allerdings hat eine große Staubildung noch nicht eingesetzt, so dass der Verkehr kaum beeinträchtigt ist.“

Einreisen dürfen seit Mitternacht nur noch Deutsche und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland. Ausnahmen gelten unter anderem für den Gütertransport, für Gesundheitspersonal und bei wichtigen familiären Gründen, etwa der Beerdigung eines Verwandten.

Auf Irene, eine Autofahrerin aus Österreich, trifft all dies nicht zu. Sie wollte eigentlich nur von Tirol aus auf dem kürzesten Weg über Deutschland nach Wien fahren. Doch an der Grenze wird sie aufgehalten. „Eine Katastrophe“, sagt sie. „Ich habe einen uralten Hund, der ist 15 Jahre alt. Da kann ich jetzt stundenlang durch Österreich fahren. Ich habe keine Ahnung von der Strecke, ich habe kein Navi. Super.“

Allein in Bayern werden bis Sonntagmittag laut Polizei an den Grenzen zu Tschechien und Tirol mehr als 1700 Menschen kontrolliert. In mehr als 530 Fällen müssen die Autofahrer wieder umkehren. 

In Tschechien hatten sich am Samstag noch viele Auto- und Lkw-Fahrer rasch auf den Weg zur Grenze begeben. Einer von ihnen war der Lkw-Fahrer Milan Vaculka, der auf dem Weg nach Frankreich noch schnell nach Deutschland einreisen wollte. „Wir sind gespannt, wie es weitergeht, denn jede Woche einen Test vorzulegen und obendrein noch dafür zu bezahlen, das wäre eine Katastrophe“, sagte er am Grenzübergang Rozvadov.

Mit den strikten Einreisebeschränkungen hat Deutschland den Unmut der EU auf sich gezogen, die einen erneuten Alleingang der Länder wie im Frühjahr 2020 fürchtet. Das Virus lasse sich „nicht von geschlossenen Grenzen aufhalten lässt“, mahnte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in der „Augsburger Allgemeinen“.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wollte die Kritik der EU nicht auf sich sitzen lassen. Der Gesundheitsschutz habe oberste Priorität, erklärte er bereits am Freitag. „Da helfen Ermahnungen aus Brüssel nicht weiter.“

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der am Sonntag eigens an den deutsch-tschechischen Grenzübergang Schirnding reiste, um sich ein Bild vor Ort zu machen, wies die Kritik zurück. Es könne nicht zugelassen werden, dass sich die strengen Maßnahmen hierzulande „im Nachhinein als sinnlos erweisen“.

Tschechien ist eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder Europas. Mehr als eine Million der rund elf Millionen Einwohner haben sich mit dem Virus infiziert. Am Donnerstag wurden drei Bezirke wegen der zirkulierenden britischen Virusvariante abgeriegelt, zwei von ihnen grenzen an Deutschland. In Tirol breitet sich die südafrikanische Corona-Mutante derzeit rasch aus. 

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AFP/Redaktion
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