Mehrjährige Haftstrafen für Fluchthilfe für Carlos Ghosn

Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit
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Ein Gericht in Istanbul hat drei türkische Staatsbürger zu mehreren Jahren Haft verurteilt, weil sie dem früheren Renault-Chef Carlos Ghosn bei seiner spektakulären Flucht aus Japan geholfen haben sollen. Ein hochrangiger Mitarbeiter der Airline MNG Jet sowie zwei Piloten erhielten am Mittwoch wegen Verschwörung zum Schmuggel eines Migranten jeweils vier Jahre und zwei Monate Haft. Sie müssen außerdem umgerechnet 3500 Euro Strafe zahlen.

Das Höchstmaß lag bei zwölf Jahren Gefängnis. Zwei weitere Piloten, denen vorgeworfen worden war, ein Verbrechen nicht gemeldet zu haben, sowie zwei Flugbegleiterinnen wurden in dem Verfahren freigesprochen. Einer der Anwälte der zu Haft verurteilten Angeklagten kündigte Berufung an. Für die Dauer der Berufung bleiben die Männer auf freiem Fuß.

Die sieben Verdächtigen waren angeklagt, weil sie in Ghosns Flucht im Dezember 2019 über Istanbul in den Libanon verwickelt gewesen sein sollen. Der in Ungnade gefallene frühere Renault-Chef Ghosn war im November 2018 in Japan festgenommen worden. Die Justiz wirft ihm unter anderem vor, private Verluste auf den Autohersteller Nissan übertragen zu haben, der mit Renault verbündet ist.

Nach seiner spektakulären Flucht hält sich Ghosn, der auch die libanesische Staatsbürgerschaft hat, mittlerweile im Libanon auf. Die Ermittler in Istanbul rekonstruierten die Flucht des einstigen Automanagers. Demnach fand statt eines Direktflugs von Japan in den Libanon ein Zwischenstopp im türkischen Istanbul statt, um „keinen Verdacht zu erregen“.

Ghosn wurde demnach auf dem Flug des Privatjets von Osaka im Westen Japans nach Istanbul in einem großen Koffer versteckt, in den 70 Löcher gebohrt wurden, damit der 66-Jährige genug Luft zum Atmen hat. Dann soll Ghosn in eine weitere MNG-Jet-Maschine nach Beirut umgestiegen sein.

Die beiden verurteilten Piloten sollen die Maschine nach Istanbul geflogen haben. Sie hatten während des Prozesses ihre Unschuld beteuert und am Mittwoch erneut erklärt, nicht gewusst zu haben, dass sich Ghosn an Bord befand. Von ihnen sei schlicht erwartet worden, die Maschine zu fliegen und das hätten sie getan. Nun seien sie die „Sündenböcke“. Einer der beiden Piloten zeigte sich am Mittwoch „überrascht“ von dem Urteil, es gebe „keinen konkreten Beweis“ für die Vorwürfe.

Der Mitarbeiter von MNG Jet soll von Ghosns Komplizen ausgewählt worden sein, um einen reibungslosen Transfer nach Istanbul zu ermöglichen. Er soll umgerechnet 250.000 Euro für seine Hilfe bekommen haben.

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AFP/Redaktion
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