Grüne fordern verpflichtende Offenlegung der Lohnlücke von Männern und Frauen

Bundestag der Bundesrepublik Deutschland
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Eine verpflichtende Offenlegung der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen und die Aufwertung systemrelevanter Berufe: Anlässlich des Equal Pay Days haben Opposition und Gewerkschaften am Mittwoch Politik und Wirtschaft zum Handeln gedrängt. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte, dass Firmen „verpflichtend über die Bezahlung von Frauen und Männern und ihre Maßnahmen zum Schließen des eigenen Pay Gaps berichten“. Linke und Deutscher Gewerkschaftsbund kritisierten die zu geringe Bezahlung sozialer Berufe.

Der Equal Pay Day fällt in diesem Jahr auf den 10. März. Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen in Deutschland rechnerisch für umsonst, während Männer seit dem 1. Januar Geld verdienen. Oder anders ausgedrückt: Bis zu diesem Tag müssen Frauen theoretisch arbeiten, um das Gehalt zu bekommen, das Männer bereits zum Jahresende des Vorjahres hatten.

Der Gender Pay Gap ist die Differenz der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste. Dem Statistischen Bundesamt zufolge verdienten Frauen 2020 durchschnittlich 18 Prozent weniger als Männer. 

Göring-Eckardt sagte dem Portal „t-online“, mit einer Offenlegung der Lohnlücke durch die Unternehmen könnten die geschlechtergerechte Bezahlung flächendeckend überprüft sowie Lücken geschlossen werden. In Deutschland brauche das Thema „maximale Aufmerksamkeit“. Die bisherigen Regeln hätten kaum etwas gebracht, weil Lohntransparenz mühsam individuell erkämpft werden müsse.

„Wir müssen den Spieß umdrehen“, sagte Göring-Eckardt zu der Forderung nach einer Offenlegung. Dabei sei nicht nur eine Beteiligung von Großkonzernen, sondern auch von kleinen und mittleren Unternehmen nötig, „wo im Schnitt die meisten weiblichen Beschäftigten arbeiten“. Es schade den Unternehmen, dass Deutschland in Europa beim Gender Pay Gap auf dem drittletzten Platz liege.

Die Linken-Spitze verwies darauf, dass Frauen in der Pandemie „in besonderem Maße von Entlassungen betroffen“ seien und zugleich die deutlich gestiegene Last der Pflege- und Erziehungsarbeit trügen. Nötig seien Anreize beim Elterngeld, damit auch Väter zu Hause bleiben, sowie die Umsetzung der Regel „gleiches Geld für gleiche Arbeit“, forderte Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow.

Ko-Chefin Janine Wissler ergänzte, mittlerweile wisse die Gesellschaft nicht nur um die Existenz systemrelevanter Jobs, sondern auch, dass diese „schlecht bezahlt werden“ und meist von Frauen ausgeübt würden. Dringend nötig seien daher ein deutlicher Ausbau der Tarifbindung im Einzelhandel sowie eine „deutliche Aufwertung der Berufe im Gesundheitsbereich“.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) äußerte sich ähnlich. „Zu Beginn der Pandemie wurde noch geklatscht für die vielen Frauen in den systemrelevanten Berufen, im Einzelhandel, in Krankenhäusern und in Pflegeeinrichtungen“, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann. „Doch den warmen Worten müssen endlich Taten folgen.“ Die Regierung müsse endlich die Tarifbindung stärken.

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