Haftbefehl gegen früheren gambischen Armeeangehörigen erlassen

Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit
Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit

Ein früherer Angehöriger der gambischen Armee muss wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mord und versuchten Mord in Untersuchungshaft. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs habe den Haftbefehl gegen Bai L. in Vollzug gesetzt, teilte die Bundesanwaltschaft am Mittwoch in Karlsruhe mit. L. soll als Fahrer für eine Sondereinheit der Streitkräfte Gambias gearbeitet haben, die Kritiker der Regierung des westafrikanischen Landes tötete – darunter auch einen Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP.

L. wurde am Dienstag in Hannover festgenommen. Er soll der Einheit zwischen Dezember 2003 und Dezember 2006 angehört haben. Deren Mitglieder, „Patrol Team“ oder „Junglers“ genannt, seien von dem damaligen Präsidenten Yahya Jammeh unter anderem für illegale Tötungen eingesetzt worden.

Ziel der Tötungsbefehle war es laut Bundesanwaltschaft, „die gambische Bevölkerung einzuschüchtern und die Opposition zu unterdrücken“. Jammeh regierte Gambia nach einem Putsch 22 Jahre lang mit harter Hand. Seine Amtszeit war von massiven Menschenrechtsverstößen gekennzeichnet. 2017 musste er aus dem Land fliehen, nachdem er eine Wahl verloren hatte.

Der nun festgenommene L. soll an insgesamt drei Liquidierungsaufträgen beteiligt gewesen sein. Ende 2003 wurde in der Hauptstadt Banjul ein Rechtsanwalt angeschossen, er überlebte schwer verletzt. L. soll die übrigen Mitglieder der Einheit dorthin gefahren haben, einer von ihnen soll auf den Anwalt geschossen haben.

Vermutlich 2006 soll die Einheit einen Gegner Jammehs in der Nähe des Flughafens erschossen haben. Wieder werde L. verdächtigt, der Fahrer gewesen zu sein, hieß es von der Bundesanwaltschaft. 

Am 16. Dezember 2004 soll er auch an der Erschießung des Journalisten Deyda Hydara beteiligt gewesen sein. Er soll mitgeholfen haben, Hydaras Auto in der Stadt Kanifing zu stoppen. Hydara wurde von drei Schüssen in den Kopf getroffen – einen der Schützen soll L. gefahren haben. 

Deyda Hydara war 58 Jahre alt, als er starb, und einer der profiliertesten Journalisten in Gambia. Der Vater von vier Kindern hatte die Zeitung „The Point“ mitgegründet und war deren Herausgeber. Er schrieb eine viel gelesene Kolumne über die nationale Politik. Außerdem arbeitete er 30 Jahre lang als Korrespondent für AFP und war für die Organisation Reporter ohne Grenzen tätig.

Der Mord an ihm löste landesweit und im Ausland Entsetzen aus. Vor der nach der Flucht Jammehs eingesetzten Wahrheitskommission Gambias gaben mutmaßliche ehemalige Mitglieder der „Junglers“ zu, Hydara getötet zu haben. L. befand sich zu der Zeit schon in Deutschland.

AFP-Informationsdirektor Phil Chetwynd begrüßte den Fortschritt in den Ermittlungen zu Hydaras Tod. „Wir fordern weiter, dass die Mörder unseres Kollegen, der seinen Kampf für die Pressefreiheit mit dem Leben bezahlte, zur Verantwortung gezogen werden“, erklärte er in Paris.

Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, erklärte, die Festnahme von L. sei ein „ermutigendes Signal“ im weltweiten Kampf gegen Straflosigkeit. „Die Botschaft lautet: Wer an der Ermordung einer Journalistin oder eines Journalisten beteiligt ist“, dürfe nirgends auf der Welt sicher vor Strafverfolgung sein.

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