Mordprozess um 1996 in Sandgrube entdecktes Opfer beginnt am Dienstag in Aachen

Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit
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Mehr als 24 Jahre nach dem Fund einer Männerleiche in einer Sandgrube im Kreis Kleve beginnt am Dienstag vor dem Landgericht Aachen ein Mordprozess gegen einen von zwei Tatverdächtigen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den 51-Jährigen aus Übach-Palenberg, im Jahr 1996 einen 43 Jahre alten Mann aus Würselen „grausam und aus Habgier“ getötet zu haben. Sein damaliger mutmaßlicher Komplize ist mittlerweile tot.

Der 51-Jährige soll damals gelegentlich in der Werkstatt für Wohnmobile gearbeitet haben, die das spätere Opfer im Erdgeschoss seines Wohnhauses betrieb. Laut Anklage wollten der Angeklagte und sein potenzieller Mittäter den Mann aus Würselen töten, um an einen Geldbetrag von 5000 DM zu kommen, den dieser angeblich besessen haben soll.

In der Werkstatt soll der Mittäter mehrfach mit einem Hammer auf den Mann eingeschlagen haben. Der Angeklagte soll dem Opfer schließlich ein Seil um den Hals gelegt und es so zu Tode gedrosselt haben. Danach sollen sie die Leiche in einen Teppich eingerollt und in eine etwa hundert Kilometer entfernte Sandgrube bei Rheurdt-Schaephuysen nahe Duisburg gebracht haben.

Die nackte Leiche des 43-Jährigen aus Würselen wurde im Dezember 1996 am Abhang der Hauser Sandkuhle entdeckt. Zahntechnische Befunde sowie ein Isotopengutachten sprachen zunächst dafür, dass es sich bei dem Opfer um einen Osteuropäer handeln könnte. Weder eine Öffentlichkeitsfahndung noch eine Thematisierung des Falls in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ führten damals zur Identifizierung der Leiche. Die Polizei sprach vom einzigen ungeklärten Mord der letzten Jahrzehnte im Kreis Kleve.

Bewegung kam erst wieder in den mittlerweile als sogenannten Cold Case geführten Fall, als mithilfe neuer Digitaltechniken Montagebilder des Toten erstellt wurden. Diese wurden veröffentlicht und in einer weiteren Ausgabe von „Aktenzeichen XY … ungelöst“ ausgestrahlt.

Danach gingen laut Polizeiangaben über 50 Hinweise ein. Einer davon erwies sich als Treffer und führte schließlich auch zur Identifizierung des Opfers. Die Polizei konnte mehrere Brüder, eine Schwester, eine geschiedene Ehefrau sowie eine Tochter und einen Sohn des Opfers ermitteln.

Alle bestätigten demnach, dass der 43-Jährige 1996 verschwunden war. Die Angehörigen seien davon ausgegangen, dass er sich wegen seiner Schulden ins Ausland abgesetzt habe. Dafür sprach laut Polizei, dass mit dem Opfer auch sein Kleinbus und sein Schäferhund namens Rex verschwanden. Als vermisst gemeldet wurde der 43-Jährige jedoch nicht. Die Eltern des Opfers starben den Ermittlern zufolge ohne Gewissheit darüber, warum ihr Sohn damals verschwand.

Kurz nach dem Opfer wurde auch ein Tatverdächtiger aus dem Raum Aachen identifiziert. Der heute 51-Jährige befindet sich seit Ende September vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Der zweite Tatverdächtige starb in der Zwischenzeit bei einem Autounfall. Für den Mordprozess vor dem Landgericht Aachen sind zunächst acht Verhandlungstage bis Anfang Mai angesetzt.

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AFP/Redaktion
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