Sie versprechen Nervenkitzel und vermeintliche Glücksgriffe: Mystery-Boxen oder Secret Packs werden europaweit an Automaten, in Einkaufszonen und online angeboten. Der Kauf soll überraschen – doch häufig folgt Ernüchterung. Das Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland warnt vor einem Geschäftsmodell mit Glücksspielcharakter und erläutert, welche Rechte Verbraucherinnen und Verbraucher haben.
Ein Beispiel: Am Bahnhof in Mailand kauft ein Reisender für seine Tochter eine Mystery-Box für 20 Euro. Der Inhalt erweist sich als weitgehend unbrauchbar. Später zeigt eine kurze Recherche: Anbieter solcher Boxen finden sich zahlreich im Netz – in unterschiedlichsten Preisklassen.
Was steckt wirklich in den Boxen?
Die Retourenquote im Online-Handel ist hoch, die Wiederverwertung zurückgesandter Waren jedoch aufwendig. Mystery-Boxen gelten für manche Händler als Ausweg. Ob tatsächlich echte Retouren enthalten sind, wie sie zusammengestellt werden oder ob Wertvolles vorab aussortiert wird, bleibt für Käufer intransparent.
Auch journalistische Recherchen haben Zweifel geweckt: Das ZDF-Investigativformat „Die Spur“ untersuchte das Modell und kam zu dem Ergebnis, dass Erwartung und tatsächlicher Warenwert oft deutlich auseinanderliegen.
Ein europaweites Phänomen mit intransparenter Lieferkette
Die bunten Automaten stehen an Bahnhöfen, Flughäfen und in Einkaufszentren vieler EU-Staaten; online sind die Boxen grenzüberschreitend erhältlich. Herkunft, Sortierung und Verpackung der Waren sind meist nicht nachvollziehbar. Die lange und intransparente Lieferkette birgt Risiken: fehlende Qualitätskontrollen, Beschädigungen oder unsachgemäße Lagerung.
Welche Rechte gelten für Verbraucher?
Beim Online-Kauf greift das EU-weit gültige 14-tägige Widerrufsrecht. Die Mystery-Box kann vollständig zurückgesendet werden; einzelne Artikel sind nicht separat retournierbar. Die Rücksendekosten trägt häufig der Käufer. Beim Kauf am Automaten besteht kein Widerrufs- oder Umtauschrecht. Ist die Ware jedoch defekt oder beschädigt, gilt sowohl online als auch offline die gesetzliche Gewährleistung.
Glücksspiel statt Glücksgriff
Influencer-Videos mit vermeintlichen Top-Gewinnen – etwa Smartphones – erzeugen hohe Erwartungen. Die Chance auf hochwertige Inhalte ist jedoch gering. Das Prinzip ähnelt dem Glücksspiel: Ungewissheit, geringe Gewinnwahrscheinlichkeit und der Anreiz, es erneut zu versuchen. Vergleichbare Mechanismen finden sich bei sogenannten Lootboxen in Videospielen.
Risiken für Kinder und Jugendliche
Besonders problematisch ist der fehlende Jugendschutz an frei zugänglichen Automaten. Kinder und Jugendliche reagieren sensibler auf Glücksspielmechaniken. Zudem können Boxen ungeeignete oder gefährliche Produkte enthalten – Berichte über Waffenattrappen oder Elektroschocker unterstreichen das Risiko.



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