Gericht in Amsterdam entscheidet am Dienstag über Auslieferung von Thomas Drach

Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit
Die Justitia - ein Symbol der Rechtsstaatlichkeit

Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach könnte bald erneut in Deutschland vor Gericht stehen: Am Dienstag will ein Gericht im niederländischen Amsterdam über die Auslieferung von Drach entscheiden, dem die deutsche Justiz wegen dreier bewaffneter Überfälle auf Geldtransporter den Prozess machen will. Die Amsterdamer Gerichtsentscheidung fällt gut eine Woche nach dem 25. Jahrestag der Freilassung von Jan Philipp Reemtsma am vergangenen Montag.

ÜBERFÄLLE IN KÖLN UND FRANKFURT AM MAIN

Der mittlerweile 60-jährige Drach wurde wegen der Transporterüberfälle auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls am 23. Februar in den Niederlanden festgenommen. Seither wartet er in Auslieferungshaft auf seine Überstellung nach Deutschland. Die Überfälle auf Geldtransporter soll Drach mit weiteren Tätern in den Jahren 2018 und 2019 in Köln-Godorf, am Flughafen Köln/Bonn und in Frankfurt am Main verübt haben.

VORWURF LAUTET AUF SCHWEREN RAUB

Die Strafverfolger in Köln legen Drach deswegen gemeinschaftlichen schweren Raub in drei Fällen sowie einen Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last – den Überfall am Kölner Airport soll er mit einem Maschinengewehr begangen haben. Zwei Geldboten wurden bei diesem Überfall und der Tat in Frankfurt durch Schüsse schwer verletzt.

FLUCHTWAGEN ANGEZÜNDET

Im Zusammenhang mit zwei der drei Gewalttaten wurde zuletzt auch ein mutmaßlicher Komplize Drachs in den Niederlanden festgenommen. Bei allen drei Raubüberfällen waren die Täter mit in den Niederlanden gestohlenen und mit falschen Kennzeichen ausgestatteten Autos geflüchtet, hatten diese unweit der Tatorte angezündet und die Flucht mit anderen Fahrzeugen fortgesetzt.

KALASCHNIKOW IN AUTOWRACK ENTDECKT

Nach dem Raubüberfall am Flughafen Köln/Bonn fanden die Ermittler die Tatwaffe, ein Kalaschnikow-Sturmgewehr AK-47, in dem vollständig ausgebrannten Auto. Durch die Auswertung der Videoaufzeichnungen zu dem Überfall am Flughafen Köln/Bonn und anschließende teils verdeckte Ermittlungen gelang es den Strafverfolgern, einen Fluchtwagen zu identifizieren und zu beschlagnahmen. Womöglich verhalf dies den Ermittlern zum Durchbruch.

REEMTMA-ENTFÜHRUNG DAUERTE 33 TAGE

Drachs Name ist untrennbar mit der Entführung des Mäzens Reemtsma vor einem Vierteljahrhundert verbunden – einem der spektakulärsten Kriminalfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Entführer um Drach brachten den Erben der Tabakdynastie am 25. März 1996 vor dessen Hamburger Villa in ihre Gewalt und hielten ihn 33 Tage lang angekettet im Keller eines Landhauses bei Bremen gefangen.

DRACH IN BUENOS AIRES FESTGENOMMEN

Am 26. April 1996 kam Reemtsma gegen Zahlung eines Lösegelds in zweistelliger Millionenhöhe frei. Drach tauchte anschließend unter, erst 1998 machten ihn ihn Polizisten in einem Luxushotel in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires dingfest. Nach längerem juristischen Tauziehen wurde Drach nach Hamburg ausgeliefert und dort vor Gericht gestellt.

HAFTENTLASSUNG IM OKTOBER 2013

Im März 2000 verurteilte ihn das Landgericht der Hansestadt zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft. Im Oktober 2013 wurde Drach aus dem Gefängnis entlassen. Bei einer Verurteilung wegen der Transporterüberfälle droht ihm nun erneut eine lange Haftstrafe.

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