Hiobsbotschaft für deutsche Urlauber – und die spanische Wirtschaft

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Symbolbild: Spanien, Madrid
Symbolbild: Spanien, Madrid

Es ist eine Hiobsbotschaft für alle deutschen Touristen auf Mallorca, Ibiza oder in Andalusien: Die Bundesregierung hat das gesamte spanische Festland sowie die Balearen-Inseln als Corona-Risikogebiet eingestuft und eine offizielle Reisewarnung ausgesprochen. Für die Urlauber bedeutet dies bei der Rückkehr verpflichtende Corona-Tests und Quarantäne – für die ohnehin schwer angeschlagene spanische Wirtschaft eine Katastrophe. 

Denn Deutschland hat seinen Bürgern mit Ausnahme der Kanarischen Inseln komplett von Reisen nach Spanien abgeraten – mitten in der Urlaubssaison. Dabei ist Deutschland nach Großbritannien das zweitwichtigste Herkunftsland von Touristen in Spanien.

Touristen in Spanien wird der Ausgeh- und Feier-Spaß aber ohnehin verdorben: Um eine Überlastung der Krankenhäuser durch Corona-Patienten wie im Frühjahr zu verhindern, hat die spanische Regierung am Freitag wieder drastische Maßnahmen verhängt. Denn Gesundheitsminister Salvador Illa hat als Ursache für die stark steigenden Corona-Zahlen das berühmte spanische Nachtleben ausgemacht.

Was für viele den Reiz am Spanien-Urlaub ausmacht, ist daher künftig wieder stark eingeschränkt: Diskotheken und Nachtbars sind geschlossen, Restaurants müssen um ein Uhr nachts zumachen und dürfen ab Mitternacht keine neuen Gäste mehr annehmen. Rauchen ist auch im Freien verboten, solange der Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann. Und Maskentragen ist in vielen Regionen in der Öffentlichkeit ohnehin Pflicht. 

Künftig soll die Polizei wieder stärker dafür sorgen, dass die zuletzt oftmals ignorierten Regeln wieder eingehalten werden und Partys auf der Straße oder am Strand schnell auflösen.

In einem Land, in dem die Menschen traditionell erst spät abends Essen gehen, sind die neuen Regeln für Gaststätten eine wirtschaftliche Katastrophe. Der Ärger unter den Gastronomen ist entsprechend groß: „Man infiziert sich mittags genauso wie um Mitternacht“, sagt der Kellner José Ramón Fernández in Madrid. Die Verkürzung der Öffnungszeiten verringere auch den Gewinn der Betriebe. Diese hätten sich zudem noch nicht von der Zeit erholt, in der sie komplett geschlossen waren.

Die Tourismusbranche erwirtschaftet in Spanien normalerweise rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im zweiten Quartal 2020 verzeichnete das Land vor allem wegen der Corona-Krise bereits einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 18,5 Prozent, im Tourismussektor sogar um 60 Prozent. Die Arbeitslosenrate könnte dieses Jahr laut Schätzungen wieder auf 20 Prozent steigen. 

Wegen der hohen Bedeutung der Reisebranche für die Wirtschaft war es für Spanien so wichtig, dass die Touristen bald nach dem Ende des Lockdowns Mitte Juni wiederkamen. Doch die erneute Infektionswelle nur wenige Wochen später, auf die zahlreiche Länder bereits mit Reisewarnungen reagiert haben, könnte der wirtschaftlichen Erholung ein jähes Ende bereiten.

Noch sei Spanien weit von den Zuständen im Frühjahr entfernt, sagen die spanischen Behörden. Die Mehrzahl der neuen Fälle – je 3000 in den vergangenen beiden Tagen – seien asymptomatisch. Und seit dem 21. Juni habe es „nur“ 294 Todesfälle gegeben, deutlich weniger als die bis zu 950 Corona-Toten pro Tag während der ersten Welle. Die traurige Gesamtbilanz liegt derzeit aber bei 28.617 Todesfällen, eine der höchsten Europas.

Die Gesundheitsbehörden haben dennoch aus der ersten Welle gelernt und beispielsweise in den Pflegeheimen, in denen die meisten Todesfälle verzeichnet wurden, die Besuchsregeln verschärft und verpflichtende Corona-Tests für Neuaufnahmen eingeführt. Die Hoffnung bleibt, dass die Corona-Zahlen bald wieder zurückgehen und die Bundesregierung ihre Reisewarnung dann wieder aufheben kann..

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AFP/Redaktion
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