Erleichterung in Deutschland über Empfehlung der EMA für Astrazeneca

Impfstoff - Bild: manjurulhaque via Twenty20
Impfstoff - Bild: manjurulhaque via Twenty20

Die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) für eine weitere Verwendung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca ist in Deutschland mit großer Erleichterung aufgenommen worden. Vertreter von Politik und Verbänden äußerten am Donnerstagabend die Erwartung, dass die Impfungen mit dem Präparat nun rasch wieder aufgenommen werden – mit Warnhinweisen für bestimmte Patientengruppen wie von der EMA empfohlen. 

FDP-Vizefraktionschef Michael Theurer bezeichnete die EMA-Empfehlung als „gute Nachricht“. Dieser müssten nun „Taten der Bundesregierung folgen, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, das Bundesgesundheitsminister Spahn durch sein Kommunikations-Chaos zerstört hat“, erklärte Theurer. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse „mit guten Beispiel vorangehen und sich mit dem Impfstoff von Astrazeneca öffentlich impfen lassen“.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, zeigte sich „erleichtert“ über die Entscheidung der EMA. „Das Impfen kann nun zügig wieder aufgenommen werden, wenn die Freigabe mit entsprechendem Warnhinweis auch in Deutschland erteilt wurde“, erklärte Dittmar. „Klar ist allerdings, dass eine gute und umfassende Aufklärung der Impfwilligen über mögliche Risiken und Ausschlusskriterien erfolgen muss.“

Die Infektionsschutz-Expertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Kordula Schulz-Asche, forderte die Bundesregierung nach der EMA-Entscheidung zu einer zügigen Wiederaufnahme der Impfungen mit Astrazeneca auf. Die Empfehlungen der EMA über ergänzende Informationen zu möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffes müssten nun „zügig in die Aufklärungsunterlagen für die impfberechtigten Menschen eingefügt werden.“

Der Linken-Gesundheitspolitiker Achim Kessler bezeichnete es als „richtig“, dass der Astrazeneca-Impfstoff noch einmal geprüft worden sei. Allerdings lenke dies „von dem eigentlichen Problem“ ab, kritisierte Kessler. „Wir haben immer noch viel zu wenig Impfstoffdosen insgesamt, auch mit einem erneut geprüften und zugelassenen Astrazeneca-Impfstoff bleiben wir von wenigen monopolistischen Pharmakonzernen abhängig.“

Der Deutsche Hausärzteverband sieht sich durch die Entscheidung der EMA zum Astrazeneca-Impfstoff in seiner Forderung nach rascher Beteiligung der niedergelassenen Mediziner an der Impfkampagne bestätigt. Es liege „auf der Hand, dass die Praxen schnellstmöglich und flächendeckend in die Impfkampagne einbezogen werden müssen“, sagte der Bundesvorsitzende des Verbands, Ulrich Weigeldt, der „Welt“.

Nach Berichten über das Auftreten schwerer Blutgerinnsel bei einigen Geimpften hatten Deutschland und mehrere weitere europäische Staaten die Impfungen mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers vorerst gestoppt. Am Donnerstag erklärte die EMA nach einer Überprüfung den Impfstoff für „sicher und wirksam“ und stellte fest, dass es keine Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel durch das Präparat gebe. 

Die Behörde verwies aber zugleich auf einzelne Fälle, in denen nach Impfungen mit Astrazeneca seltene, „aber schwerwiegende Gerinnungsstörungen“ aufgetreten seien. Ein Zusammenhang mit der Impfung könne „nicht endgültig“ ausgeschlossen werden. Die Produktinformation für das Vakzin werde nun dementsprechend angepasst.

Für die ohnehin als schleppend kritisierte Impfkampagne in Deutschland war die Aussetzung der Astrazeneca-Impfungen ein Rückschlag. In vielen Ländern wurde die Vergabe von Terminen in den Impfzentren ausgesetzt, bis Klarheit über die Verwendbarkeit des Präparats – und damit über die zur Verfügung stehenden Dosen – erzielt ist. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) kündigte am Donnerstagabend umgehend an, „die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca so schnell wie möglich wieder aufzunehmen“.

Bund und Länder hatten ursprünglich am Mittwoch über eine Beschleunigung der Impfkampagne beraten wollen. Ein Thema sollte dabei die stärkere Einbindung der Hausärztinnen und -ärzte sein. Nach dem Aussetzen der Impfungen mit dem Astrazeneca-Produkt am Montag wurde das Gespräch verschoben. Es soll nun am Freitagnachmittag stattfinden.

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