Lokführergewerkschaft fordert von Bahn 4,8 Prozent mehr Lohn und Corona-Prämie

Deutsche Bahn - Bild: kinek00 via Twenty20
Deutsche Bahn - Bild: kinek00 via Twenty20

Im Streit um ein Corona-Tarifpaket hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) der Deutschen Bahn am Freitag nach eigenen Angaben ihre Forderungen zu den Tarifverhandlungen 2021 zugeschickt. Darin werde für das gesamte direkte Personal ein Eisenbahn-Flächentarifvertrag mit einer Entgelterhöhung um 4,8 Prozent zum 1. März 2021 gefordert, teilte die GDL mit. Außerdem wird demnach die Forderung nach einer Corona-Prämie in Höhe von 1300 Euro erhoben. 

„Wir werden nicht zulassen, dass unsere Kollegen mit einem Sanierungstarifvertrag mit Reallohnverlust abgespeist werden und obendrein noch Abstriche bei ihrer Freizeitplanung im ohnehin unregelmäßigen Schichtdienst aufgeben müssen“, erklärte GDL-Chef Klaus Weselsky. „Sie haben den Verkehr auf der Schiene rund um die Uhr selbst in der schlimmsten Corona-Krise sicher und zuverlässig aufrechterhalten und tun das immer noch“, fügte er hinzu. „Der Arbeitgeber muss endlich seine eklatante Missachtung der Leistung der Eisenbahner beenden.“

Der neue Eisenbahn-Flächentarifvertrag soll nach Vorstellung der GDL neben dem Zugpersonal auch für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Instandhaltung und des Netzbetriebs gelten. Verhandlungstermine wurden laut Gewerkschaft aber noch nicht vereinbart – denn zunächst müsse die Frage der Anwendung des Tarifeinheitsgesetzes geklärt werden.

Hintergrund ist die Konkurrenz zwischen GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Nachdem abweichende Vereinbarungen Ende 2020 ausgelaufen sind, gilt das Tarifeinheitsgesetz, wonach bei konkurrierenden Tarifabschlüssen für dieselbe Berufsgruppe in einem Betrieb nur die Vereinbarungen mit der Mehrheitsgewerkschaft gültig sind. 

Zur Frage der Anwendung des Tarifeinheitsgesetzes endete nach GDL-Angaben ein erstes Gespräch am Donnerstag vergangener Woche allerdings „ergebnislos“. Am Freitag kommender Woche stehe die Lokführergewerkschaft nun für ein weiteres Gespräch zu dem Thema zur Verfügung. 

Weselsky bezeichnete die garantierte Anwendung der GDL-Tarifverträge am Freitag als „zwingend erforderlich, um eine Verbesserung der Entgelt- und Arbeitsbedingungen des direkten Personals zu erreichen“. Erst nach der Klärung dieses grundsätzlichen Problems könnten inhaltliche Tarifverhandlungen geführt werden.

Während sich die Bahn mit der EVG im September auf ein Corona-Tarifpaket geeinigt hatte, war eine Schlichtung mit der GDL im November gescheitert. Die GDL wirft dem Konzern vor, sie verdrängen zu wollen. Die traditionell in erster Linie auf Lokführer ausgerichtete Gewerkschaft reagierte darauf, indem sie verstärkt auch in anderen Bahn-Berufsfeldern um neue Mitglieder wirbt.

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AFP/Redaktion
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