Weltbank: 100 Millionen Menschen könnten durch Corona-Krise in extreme Armut geraten

Symbolbild: Armut
Symbolbild: Armut

Durch die Corona-Pandemie könnten laut Schätzung der Weltbank 100 Millionen Menschen weltweit in extreme Armut abrutschen. Die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen werde laut neuester Schätzung der auf Entwicklungsförderung spezialisierten Organisation um 70 bis 100 Millionen zunehmen, sagte Weltbank-Chef David Malpass der Nachrichtenagentur AFP. „Die Zahl kann sogar noch weiter steigen“, wenn sich die Pandemie weiter verschlimmere und noch lange hinziehe. 

In einer vorherigen Schätzung war die Weltbank noch von 60 Millionen Menschen ausgegangen, die als Folge der Pandemie in extreme Armut geraten. Ursache ist laut Malpass, dass viele Menschen in der Corona-Krise ihre Arbeit verlieren. Hinzu kämen unter anderem wachsende Probleme bei der Versorgung bestimmter Regionen mit Nahrungsmitteln. „All dies trägt dazu bei, dass Menschen zurück in die extreme Armut gedrängt werden“, sagte der Weltbank-Chef.

Die Weltbank spricht von extremer Armut, wenn Menschen mit weniger als 1,90 Dollar (1,60 Euro) am Tag auskommen müssen. Laut der Weltbank-Internetseite lebten 2015 etwa 734 Millionen Menschen beziehungsweise jeder Zehnte weltweit unter dieser Einkommensgrenze. Das sind zwar deutlich weniger als 1990 – als ein Drittel der Weltbevölkerung in extremer Armut lebte – doch zum ersten Mal seit 1998 steigt die Zahl der Betroffenen wieder. Um dagegen anzukämpfen, hat die Weltbank 160 Milliarden Dollar Finanzhilfen für mehr als 100 Länder bis Mitte nächsten Jahres zugesagt, was aber alleine nicht reichen dürfte.

Malpass sagte der AFP, es sei „unerlässlich“, dass die Gläubiger von Entwicklungsländern auf Kreditrückzahlungen verzichten statt die Rückzahlungen nur vorübergehend auszusetzen. Die G20 haben einem Schuldenmoratorium für dieses Jahr bereits zugestimmt und die Bereitschaft wächst, auch 2021 von Entwicklungsländern keinen Schuldendienst zu verlangen. Malpass geht das aber nicht weit genug. Er sei auch „frustriert“ angesichts der geringen Bereitschaft privater Gläubiger, auf Zinszahlungen zu verzichten.

Eine besondere Rolle nimmt China ein, das in vielen Entwicklungsländern mittlerweile einer der größten Gläubiger ist. Laut Malpass ist allerdings häufig die Höhe der chinesischen Kredite unklar, weil diese wie beispielsweise im Fall von Angola als Anrecht auf einen Teil der Ölproduktion des Landes definiert sind. China habe zwar an einem „Transparenzprozess“ teilgenommen – doch komplett offen seien viele Kreditbedingungen nicht, was für einen möglichen Schuldenschnitt problematisch ist.

Während reichere Länder in ihrer Entwicklungshilfe „großzügig“ seien, reiche das nicht, um Entwicklungsländern nachhaltig zu helfen. Denn trotz Konjunkturprogrammen mit hunderten Milliarden Euro Umfang sei die Wirtschaft in vielen Industrieländern nach wie vor „schwach“. Das Wichtigste, was Industrieländer für Entwicklungsländer tun könnten, ist laut Malpass ihre Wirtschaft wieder anzukurbeln „und ihre Märkte wieder zu öffnen“. 

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AFP/Redaktion
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