Landgericht Nürnberg-Fürth: Er sah sich als „Erzengel Michael“ – sie wähnte sich im Auftrag Gottes

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Nürnberger Justizpalast - Bild: André Karwath aka Aka / CC BY-SA

Eine Frau mit einem Ehemann und zwei Liebhabern: In einem „etwas komplexen Beziehungskonstrukt“ habe seine Mandantin gelebt, räumt Verteidiger Malte Magold ein. Weil einer der Liebhaber – ein 27 Jahre alter Mann – vor 14 Monaten tot mit eingeschlagenem Schädel in einem Waldstück gefunden wurde, steht die 33-Jährige seit Dienstag zusammen mit dem wegen Mordes angeklagten anderen Liebhaber wegen Anstiftung zum Mord vor Gericht.

Es ist ein bizarrer Fall, in dem beide Angeklagte trotz erheblich belastender Chatnachrichten und im Fall des Manns auch klarer Spurenlage über ihre Verteidiger ihre Unschuld behaupten lassen. Selbst reden wollen sie nicht.

Die vor ihrer Verhaftung bei einem Fahrdienst jobbende Sarah D. ist seit 2009 mit ihrem 15 Jahre älteren Mann verheiratet. 2012 begann sie laut Anklage eine Affäre mit M., die bis 2017 dauerte. Im September 2018 heiratete der Kommissionierer, hatte aber einen Monat später noch einmal Sex mit seiner früheren Geliebten. Die wiederum nahm sich einige Tage später das spätere Mordopfer zum neuen Lover.

M. kam trotz seiner jungen Ehe offenbar nicht los von seiner Geliebten. Von Hörigkeit geht die Staatsanwaltschaft aus. Schon im Mai 2019 soll er sie zum Wiederaufleben der Affäre aufgefordert haben. Im Juni zog er sogar von Stendal, wo er mit seiner Frau lebte, nach Lauf an der Pegnitz in die Nähe der Ex.

Die sitzt nun vor Gericht und nimmt von M. keine erkennbare Notiz, keines Blickes würdigt die korpulente 33-Jährige den ein Jahr jüngeren M. – dabei signalisierte sie dem übergewichtigen und kahlköpfigen Mitangeklagten früher deutliche Liebessignale.

Zunächst erwiderte sie im Frühjahr vergangenen Jahres laut Anklage seine Liebesschwüre regelmäßig mit eignen Liebesbeteuerungen und Kussmündern. Dann habe sie sowohl über ihre Ehe als auch die Affäre gejammert. Am 18. Juni schrieb sie erstmals, dass Ehemann und Liebhaber „komplett verschwinden sollen, weißt wie ich meine“.

In dieser Zeit hatten die beiden Angeklagten keinen Sex miteinander, sondern schaukelten sich im gegenseitigen Austausch immer weiter hoch. Mindestens 50 Mal soll sie ihn aufgefordert haben, Ehemann und Liebhaber zu töten – als Belohnung sollte er dann zu ihr ziehen dürfen.

Für den Mord an dem 27 Jahre alten Nebenbuhler gaben sich die beiden sogar ein überirdisches Motiv. Denn das Mordopfer soll rücksichtslos Auto gefahren sein. „Gott wird uns vergeben, er weiß, dass sonst Unheil passiert“, schrieb die gläubige Angeklagte.

Auch M. verstieg sich in religiöse Motive. Als „Erzengel Michael“ betitelte er sich, der zur Not einen „Pakt mit dem Teufel“ eingehen müsse.

Am 14. Juli 2019 war es soweit. Da verabredete sich M., der zum Schein eine Freundschaft mit dem Nebenbuhler eingegangen war, mit diesem. In einem regelrechten Blutrausch soll er dutzendfach mit dem Messer auf ihn eingestochen und mit einem Gegenstand auf ihn eingeschlagen haben, bis in 1,40 Meter Höhe spritzte das Blut.

Auch auf dem Rücksitz seines Autos fanden die Ermittler Blut. Dennoch sagt der Verteidiger von M., dieser sehe sich als unschuldig an.

Der Verteidiger von Sarah D. betitelt die Anklage sogar als „Phantasie der Staatsanwaltschaft“. Mit keinem Wort habe sie einen Mord gefordert, die Ermittler hätten ihre Chatnachrichten bewusst falsch interpretiert.

Doch fraglich ist, ob Sätze wie „dann müssen die beiden weg“ oder die Aufforderung „dann mach“ auf das Angebot, mit den Händen beim Nebenbuhler etwas zu machen, wirklich nur bei böser Interpretation als Aufforderung zum Mord zu verstehen sind. Mehr als 20 Verhandlungstage lang will das Gericht nun über den Mordfall beraten – im Dezember soll das Urteil fallen.

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AFP/Redaktion
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