WHO erinnert an verheerende psychische Auswirkungen der Corona-Pandemie

Symbolbild: WHO
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Die Corona-Krise stellt viele Menschen auch vor schwere psychische Probleme, doch wird dieser Aspekt nach Angaben der WHO im weltweiten Kampf gegen das Virus häufig übersehen. Zwar hätten in einer Umfrage 83 Prozent von 130 befragten Ländern angegeben, die psychische Gesundheit in ihren Pandemie-Reaktionsplänen aufgenommen zu haben, doch nur 17 Prozent hätten die dafür benötigten Gelder tatsächlich bereitgestellt, teilte die WHO am Montag mit. 

Die Psyche sei ein „vergessener Aspekt von Covid-19“, sagte die  WHO-Direktorin für psychische Gesundheit, Devora Kestel, bei einer virtuellen Pressekonferenz. „Die Trauer um gestorbene Corona-Opfer, Vereinsamung, Einkommensverluste und Angst lösen psychische Erkrankungen aus oder verschlimmern bereits bestehende Erkrankungen“. Viele Menschen reagierten auf ihre Probleme mit „erhöhtem Alkohol- und Drogenkonsum, Schlaflosigkeit und Angstzuständen“.

Obwohl alle Regionen der Welt betroffen sind, gelang es reichen Staaten laut WHO besser, Dienstleistungen im Kampf gegen psychische Probleme aufrechtzuerhalten. 30 Prozent der zwischen Juni und August befragten Staaten aber gaben an, dass vor allem die Notfall- und Medikamentenversorgung Betroffener unter der Krise litten. Auch Präventionsprogramme seien stark betroffen – unter anderem aufgrund von Reisebeschränkungen. Inzwischen gebe es aber auch kreative Lösungsansätze wie Telemedizin und Teletherapie.

Die WHO wies auf Schätzungen vor Beginn der Pandemie hin, wonach allein durch Depressionen und Angstzustände jedes Jahr rund 1 Billion Dollar (850 Milliarden Euro) an Produktivität verloren gingen – aber jeder Dollar, der für ihre Behandlung ausgegeben wurde, fünf Dollar einbrachte.

Anlässlich des Welttags für psychische Gesundheit organisiert die WHO am kommenden Samstag in den Online-Netzwerken eine globale Veranstaltung, um über das Problem zu informieren und zu Spenden aufzurufen. An ihr nimmt auch die Witwe von Linkin-Park-Sänger Chester Bennington teil, der im Jahr 2017 Suizid beging, sowie der Vater des schwedischen DJ und Superstars Avicii, der 2018 tot aufgefunden worden war.

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AFP/Redaktion
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