Udo Walz war der selbst zur Prominenz gewordene Promifriseur

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Udo Walz - Bild: Philipp von Ostau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Udo Walz - Bild: Philipp von Ostau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Er habe Angst vor dem Sterben, gab der Promifriseur Udo Walz zu seinem 75. Geburtstag zu. Nur gut ein Jahr später ist Walz nun tot, aber ohne das von ihm gefürchtete Leiden. „Udo ist friedlich um zwölf Uhr eingeschlafen“, sagte sein Ehemann Carsten der „Bild“-Zeitung. Nach einem Diabetesschock vor zwei Wochen war er demnach ins Koma gefallen.

Damit starben binnen gerade einmal zwei Monaten die beiden einzigen Friseure in Deutschland, die es zu eigener Prominenz gebracht hatten. Im September war der durch die Punkfrisuren von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis bekannt gewordene Münchner Friseur Gerhard Meir mit 65 Jahren gestorben – überraschend, wie jetzt auch Udo Walz. Denn dieser arbeitete trotz seines fortgeschrittenen Alters bis zuletzt in seinem Salon am Berliner Kurfürstendamm.

Walz kam am 28. Juli 1944 im baden-württembergischen Waiblingen als Sohn eines Lastwagenfahrers zur Welt. Er stieg wie damals noch üblich schon mit 14 Jahren ins Berufsleben ein. Zuerst war er Praktikant, dann Azubi bei einem Friseur in Stuttgart. Sein Lehrresultat war ernüchternd. Von 600 Auszubildenden des Jahrgangs war er der drittschlechteste.

Ein Hindernis für den schon bald einsetzenden Erfolg war dies allerdings nicht. Walz ging in die Schweiz, über Zürich kam er in einen Salon nach St. Moritz. Als „Monsieur Boris“ ließ ihn dort sein Chef schneiden, im mondänen Wintersportort gingen die Promis ein und aus.  

So kam auch Marlene Dietrich in den Salon und ließ sich von dem Deutschen frisieren. Walz sagte der „Bild“, die Filmlegende habe ihn zu einem Fest in eine Bar eingeladen, er sei aber zu schüchtern gewesen. Auch Hollywoodstar Rock Hudson habe ihn zu einem Drink eingeladen, er habe ebenfalls ausgeschlagen. „Schön blöd.“

Lange blieb Walz allerdings ohnehin nicht in St. Moritz, ihn zog es nach Berlin, wo er bis zuletzt seinen Lebensmittelpunkt hatte. Den wirtschaftlichen Erfolg beflügelte der international erfolgreiche Fotograf F.C. Gundlach, mit dem Walz befreundet war und der seine Models von Walz frisieren ließ.

So ging die Tür in die Welt der Schönen und Reichen immer ein Stück weiter auf – und Walz wusste ganz offensichtlich, was sie von ihm wollten. Neben der gut sitzenden Frisur vor allem Diskretion. So war eine Zeit lang Romy Schneider bei ihm Stammgast. Meist sei sie samstags gekommen und habe es sehr genossen, dass keine Paparazzi auf sie warteten, berichtete er einmal.

Walz steckte voller Erlebnisse mit seinen Kunden, von diesen ließ er aber nur Häppchen nach außen. Der Wochenzeitung „Die Zeit“ wollte er nicht verraten, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) während des Frisierens auch SMS schreibt. „So viel zu Frau Merkel: Ich kenne keine Frau, die so schnell SMS tippt wie sie.“ 

Noch in ihren Anfängen als CDU-Vorsitzende war bei Merkel immer mal wieder deren Frisur ein Thema. „Bevor sie zu mir kam, wurde ihre Frisur ja als Topffrisur bezeichnet – ich habe dann angefangen, ihre Frisur zu verändern“, erzählte Walz vor einigen Jahren dem Portal Web.de vom Stilwechsel Merkels. Dabei verriet er auch den Preis des Frisierens: 65 Euro für Waschen und Schneiden, sein üblicher Tarif.

Obwohl sich Walz vor allem als Damenfriseur sah, zählte auch schon Merkels Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) zu seinen Kunden, ebenso der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau – dazu Prominente von Claudia Schiffer bis Demi Moore. Dass trotz aller Diskretion die Namen seiner Kunden bekannt wurden, war vermutlich auch eines der Geheimnisse des selbst auch durch zahlreiche Fernsehauftritte bekannten Walz.

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AFP/Redaktion
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