SPD-Chefin fordert zügiges Impfangebot für Kinder und Jugendliche

Saskia Esken - Bild: Anne Hufnagl
Saskia Esken - Bild: Anne Hufnagl

Die Frage nach der Impfung von Kindern und Jugendlichen gegen das neuartige Coronavirus sorgt vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern am Donnerstag weiter für Diskussionen. Während die SPD ein schnelles Impfangebot für Minderjährige forderte, lehnte der Hausärzteverband in Nordrhein-Westfalen eine allgemeine Corona-Impfung von Kindern ab. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kritisierte die Ständige Impfkommission (Stiko).

Wenn sichergestellt sei, dass die Impfstoffe ausreichende Wirksamkeit haben und keine schweren Nebenwirkungen auftreten, plädiere sie dafür, Kindern über zwölf Jahren und allen Eltern zügig ein Impfangebot zu machen, sagte SPD-Chefin Saskia Esken den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagsausgaben). Zugleich nahm sie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in die Verantwortung, für mehr Impfstoff zu sorgen.

Niedersachsens Ministerpräsident Weil übte Kritik an den jüngsten Äußerungen der Stiko. „Dass die Ständige Impfkommission nun plötzlich den Sinn einer flächendeckenden Impfung von Schülerinnen und Schülern grundsätzlich in Frage stellt, irritiert mich und auch viele andere Menschen“, sagte Weil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Vor ein paar Wochen hieß es noch, Schulen seien Brutstätten der Pandemie. Jetzt heißt es plötzlich, Kinder und Jugendliche stellen so gut wie gar kein Risiko dar“, sagte Weil den Blättern. Beides sei falsch. „Kinder und Jugendliche können sich infizieren und das Virus weitergeben, deshalb müssen sie ein Impfangebot bekommen – sofern eine Zulassung vorliegt, bei der Nutzen und Risiken abgewogen wurden“, sagte der SPD-Politiker.

Spahn und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatten das Ziel ausgegeben, Jugendliche noch im Sommer impfen zu lassen, um eine Rückkehr zum regulären Unterricht zu ermöglichen.

Die Grünen kritisierten den Kurs der Bundesregierung. Viele Menschen aus den Prioritätsgruppen eins, zwei und drei seien noch nicht geimpft, sagte der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen im ARD-„Morgenmagazin“. Diese Personengruppen müssten zuerst mit Impfstoff versorgt werden, bevor eine Impfung von Schülerinnen und Schülern in Erwägung gezogen werde.

Es gebe noch viele offene Fragen „zu den Langzeitgefahren einer Infektion, aber auch den Langzeitfolgen, die eine Impfung für Kinder und Jugendliche haben könnte“, sagte Dahmen. Daher sei die Stiko in dieser Frage zurückhaltend.

Der Chef des Hausärzteverbands NRW, Oliver Funken, lehnt eine allgemeine Corona-Impfung für Kinder ab. „Biontech-Impfstoff wird auch den Sommer über knapp sein, und die Verteilung des Impfstoffs sollte erstmal nach medizinischen Kriterien erfolgen“, sagte Funken der „Rheinischen Post“. „Die bisherigen Studienergebnisse sind eindeutig: Kinder und Jugendliche weisen keine schweren Verläufe bei einer Corona-Erkrankung auf.“

Der Präsident des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnte angesichts der „unterschiedlichen Signale von Politik und Wissenschaft“ zur Impfung von Schülern vor einem Vertrauensverlust. „Ich befürchte einen großen Vertrauensverlust bei Lehrern und Schülern, weil Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jetzt vorgeprescht ist mit dem Impfversprechen bis Ende August, die Ständige Impfkommission aber deutlich bremst“, sagte Meidinger der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Sein Lehrerverband begrüße schnelle Impfungen für Kinder und Jugendliche. „Aber wenn die Stiko sagt, dass die Risiken noch zu wenig untersucht wurden, können und wollen wir das als Lehrerverband nicht anzweifeln“, betonte Meidinger.

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