Die Geschichte des Nürnberger Christkindlesmarkt

Nürnberger Christkindlesmarkt | Bild: floriantrykowski.com

Sein erster schriftlicher Nachweis stammt aus dem Jahr 1628. Eine mit schwarzer Tinte gemalte Inschrift wurde auf dem Boden einer Spanschachtel aus Nadelholz gefunden: „Regina Susanna Harßdörfferin von der Jungfrau Susanna Eleonora Erbsin zum Kindles-Marck überschickt 1628.“

Auch eine Liste aus dem Jahr 1737 ist zum Vorschein gekommen. Sie zeigt, dass fast alle Handwerker in der Budenstadt vertreten waren. So waren 140 Personen berechtigt, Waren anzubieten.

Der Markt verlor um 1900 seine Bedeutung und wechselte mehrmals den Standort. Erst in den 30er Jahren erfuhr er eine Wiederbelebung. Die traditionsreiche Veranstaltung wurde von Nationalsozialisten genutzt, um
das Image Nürnbergs als „des Deutschen Reiches Schatzkästlein“ zu prägen.

Mit einer romantischen Feier wurde der Christkindlesmarkt 1933 auf dem Hauptmarkt wieder eröffnet. Damals verkleidete sich eine Schauspielerin als Christkind, begleitet von zwei Rauschgoldengeln. Sie rezitierte einen Vorspruch, ein Kinderchor sang und Kirchenglocken läuteten. Der Christkindlesmarkt fand in Nürnberg während des Zweiten Weltkriegs nicht mehr statt.

Erst 1948 war der Christkindlesmarkt in der völlig zerstörten Altstadt wiederbelebt worden. Das Nürnberger Christkind spricht jedes Jahr zur Eröffnung einen Prolog – geschrieben vom Dramaturgen Friedrich Bröger und Sohn des Arbeiterdichters Karl Bröger – vor dem Publikum. Inzwischen wurde der Prolog mehrfach überarbeitet.

Die Nürnberger Schauspielerin Sofie Keeser verkleidete sich ab 1948 als Christkind. Sie füllte die Rolle bis Anfang der 60er Jahre aus. Das nächste Christkind war bis 1968 Irene Brunner – ebenfalls Schauspielerin. Seit 1969 wird alle zwei Jahre eine Nürnbergerin zwischen 16 und 19 Jahren von einer Jury zum Christkind gewählt.

Der Nürnberger Christkindlesmarkt zählt zu den ältesten Weihnachtsmärkten in Deutschland und lässt sich bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen.

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Über Raffi Gasser 1133 Artikel
Chefredakteur des Nürnberger Blatt und Programmdirektor von FLASH TV