160 Maßnahmen geplant: Bundesregierung gibt Startschuss für Nationale Demenzstrategie

Symbolgrafik: Demenz
Symbolgrafik: Demenz

Die Bundesregierung hat am Mittwoch den Startschuss für die Nationale Demenzstrategie gegeben. Mit insgesamt 160 Maßnahmen soll dazu beigetragen werden, dass Menschen mit Demenz Teil der Gesellschaft bleiben können und ein offenes Klima für den Umgang mit der Krankheit geschaffen wird, wie es in einer Mitteilung hieß. Unterzeichnet wurde die Vereinbarung von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), Gesundheitsminister Jens Spahn und Forschungsministerin Anja Karliczek (beide CDU).

„An Demenz erkrankte Menschen können noch sehr lange aktiver Teil der Gesellschaft bleiben, wenn die Gesellschaft sich darauf einstellt“, erklärte Giffey. Busfahrerinnen, Schaffner, Ärztinnen oder Mitarbeiter von Behörden müssten speziell geschult werden, genauso wie sich Sportvereine oder Kirchenchöre auf Menschen mit Demenz vorbereiten sollten.

„Der Umgang mit Demenz gehört für sehr viele Menschen in Deutschland zum familiären oder beruflichen Alltag“, erklärte Spahn. Demenzkranken müsse respektvoll und hilfsbereit begegnet werden. Karliczek kündigte Unterstützung für die Wissenschaft an, um Ursachen der Erkrankungen besser verstehen zu können und wirksame Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.

Den Angaben zufolge sind derzeit 1,6 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen, im Jahr 2050 könnte die Zahl schon bei etwa 2,8 Millionen Menschen liegen. An der Demenzstrategie sind 57 Partner beteiligt, im Jahr 2026 soll Bilanz gezogen werden.

Kritik kam von der Deutschen Stiftung Patientenschutz. „Seit über zehn Jahren jagt ein Demenz-Konzept das nächste“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Nachrichtenagentur AFP. „Doch allein der Titel ändert sich.“ Die Probleme blieben. „Es hapert in Deutschland nicht an den Erkenntnissen, sondern an der Umsetzung, demenziell erkrankte Menschen in die Gesellschaft zu integrieren.“

Die Lösungen lägen seit Jahrzehnten auf der Hand, betonte Brysch. Es fehle ein Pflegezeitgeld ähnlich dem Elterngeld. Ebenso sei ein Rechtsanspruch auf Kurzzeit-, Verhinderungs- und Tagespflege überfällig. Für Demenzpatienten in Krankenhäusern müsse eine professionelle Begleitperson garantiert werden.

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