Auf neuer WTO-Chefin Okonjo-Iweala ruhen große Hoffnungen

Ngozi Okonjo-Iweala - Bild: World Economic Forum from Cologny, Switzerland. swiss-image.ch/Photo by Remy Steinegger., CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Ngozi Okonjo-Iweala - Bild: World Economic Forum from Cologny, Switzerland. swiss-image.ch/Photo by Remy Steinegger., CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

An die Spitze der Welthandelsorganisation (WTO) rückt mit der Nigerianerin Ngozi Okonjo-Iweala künftig erstmals eine Frau und erstmals eine Afrikanerin. Dort steht die 66-Jährige vor großen Herausforderungen. Um die zuletzt nahezu gelähmte Organisation wieder auf Kurs zu bringen, kann die versierte Ökonomin dabei auf ihre Erfahrungen bei der Weltbank und als nigerianische Ministerin zurückblicken – und setzt auf „Courage“.

Der Weg zur WTO-Generaldirektorin, der am Montagnachmittag besiegelt werden sollte, war für Okonjo-Iweala freigeworden, nachdem die US-Regierung unter Präsident Joe Biden ihrer Kandidatur Anfang Februar „volle Unterstützung“ zugesichert und die einzige verbliebene Kontrahentin, die südkoreanische Handelsministerin Yoo Myung Hee, ihre Kandidatur zurückgezogen hatte. Zuvor war die auf Konsens ausgerichtete Führungsfrage in der WTO, die für den internationalen Handel eine Art Schiedsrichterfunktion ausfüllen soll, monatelang durch den inzwischen abgewählten US-Präsidenten Donald Trump blockiert worden.

Fokussieren will sich Okonjo-Iweala nun darauf, dass die Mitgliedsländer im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie nicht zusätzlich noch durch Handelshemmnisse und wachsenden Protektionismus ausgebremst werden. Ein Abbau von Hürden helfe bei der Erholung, ist die Nigerianerin überzeugt. 

Die neue US-Regierung begründete ihre Unterstützung für Okonjo-Iweala, die Abschlüsse des Massachusetts Institute of Technology und von der Universität Harvard in den USA besitzt, mit den „reichen Kenntnissen“, die sie in 25 Jahren bei der Weltbank und als nigerianische Finanzministerin erworben habe. „Dr. Ngozi“, wie sie auch genannt wird, hatte das Amt sogar schon zweimal inne, auch nigerianische Außenminister war sie.

In ihrer Heimat wird die Mutter von vier Kindern nicht nur gemocht, sondern „geliebt“, wie Idayat Hassan vom Zentrum für Demokratie und Entwicklung in der Hauptstadt Abuja sagt. Sie sei ein Symbol dafür, was Frauen erreichen könnten, so die Politikwissenschaftlerin. 

Okonjo-Iweala beschreibt sich selbst gern als eine Kämpferin gegen die grassierende Korruption in Nigeria – Kritiker werfen ihr allerdings vor, sie hätte viel mehr dagegen tun müssen. Die Autorin des Buches „Diebe des Staates“, Sarah Chayes, etwa sagt, ihre Reformen als Ministerin seien nur oberflächlich gewesen. Auch unter Okonjo-Iweala seien Milliarden aus den Öleinnahmen des Staates in dunklen Kanälen versickert. 

Auf dem WTO-Chefposten wird es für die Nigerianerin, die im vergangenen Juli auch zur Sondergesandten der Afrikanischen Union für den Kampf gegen die Corona-Pandemie auf dem Kontinent ernannt worden war, nun viel zu tun geben. Während sich in den vergangenen Jahren die beiden größten Wirtschaftsnationen China und die USA einen erbitterten Handelskonflikt lieferten, griffen in vielen Ländern Zweifel am Multilateralismus um sich. Doch Okonjo-Iweala zeigt sich selbstbewusst. Für den neuen Chefposten werde sie nicht so sehr „technische Fähigkeiten“ benötigen, sondern „Mut und Courage“, sagte sie.

Im Oktober nannte sie zwei Prioritäten, wenn es darum gehe, den Nutzen der WTO unter Beweis zu stellen. Sie will der nächsten WTO-Ministerkonferenz ein Abkommen über Subventionen bei der Fischerei vorlegen. Außerdem will sie das derzeit blockierte WTO-Gremium, das für Streit- und Schlichtungsfälle zuständig ist, wiederbeleben. 

Das weckt auch in der stark auf den Außenhandel angewiesenen Exportnation Deutschland Hoffnungen: Die Wahl Okonjo-Iwealas zur WTO-Chefin sei ein „Befreiungsschlag für dringend notwendige Reformen“, zeigt sich der Bundesverband der deutschen Industrie zuversichtlich – „und ein Hoffnungszeichen für den internationalen regelbasierten Handel“.

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AFP/Redaktion
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