Tichanowskaja: Russische Führung soll auf das Volk hören

Swetlana Tichanowskaja - Bild: Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Swetlana Tichanowskaja - Bild: Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Angesichts der Proteste in Russland hat die belarussische Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja die Führung in Moskau aufgerufen, „auf das Volk zu hören“. Es sei wichtig, auf die Forderungen der Menschen acht zu geben, „herauszufinden, was schief läuft und zu versuchen, dies auf zivilisierte Weise zu lösen, ohne Schlagstöcke oder Elektroschocker“, sagte die im Exil lebende Ex-Präsidentschaftskandidatin in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.

Das Hafturteil gegen den prominenten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und den Umgang mit friedlichen Demonstranten, die für Nawalnys Freilassung und gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf die Straße gingen, hatte zuletzt für Empörung gesorgt. Im Zusammenhang mit den Massenprotesten wurden nach Angaben der Nichtregierungsorganisation OWD-Info mehr als 11.000 Menschen festgenommen.

Tichanowskaja zog in dem Gespräch mit AFP auch Parallelen zwischen ihr und der Frau von Nawalny, Julia Nawalnaja. „Wenn sie unsere Männer für ihre Arbeit und ihren Wunsch, das Leben in unseren Ländern zu verbessern, ins Gefängnis stecken, können wir Frauen nur an ihrer Stelle stehen und sie unterstützen, wie wir können“, sagte die 38-Jährige und empfahl Nawalnaja „durchzuhalten, zu kämpfen und Vertrauen zu haben“.

Der belarussische Staatschef Alexander Lukaschenko ist ein enger Verbündeter von Kreml-Chef Putin. Die Präsidentschaftswahl im August des vergangenen Jahres hatte in der Ex-Sowjetrepublik Massenproteste ausgelöst. Die Opposition wirft dem seit 1994 autoritär regierenden Staatschef massiven Wahlbetrug zu Ungunsten Tichanowskajas vor, die für ihren inhaftierten Mann Sergej bei der Wahl angetreten war.

Die EU verhängte wegen des brutalen Vorgehens der belarussischen Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten Sanktionen gegen Lukaschenko und seine Vertrauten. Die mittlerweile in Litauen lebende Tichanowskaja rief die EU in dem Interview erneut auf, die Sanktionen gegen die Führung in Minsk zu verschärfen. Die derzeit geltenden hätten „viele Belarussen enttäuscht“.

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