Wegen Virus-Varianten lieber auf Nummer sicher

Coronavirus
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Die Regierungen von Bund und Ländern haben sich am Mittwoch auf eine Verlängerung des Lockdowns in Deutschland bis zum 7. März verständigt. Auch wenn der sogenannte Inzidenz-Wert zurückgeht, sind die Behörden wegen des Auftretens von ansteckenderen Virus-Varianten beunruhigt. Und auch mit dem Impfen geht es nicht schnell voran wie erhofft. Andere europäische Länder haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, gehen aber auf ihre eigene Weise damit um:  

Großbritannien

Mit fast 115.000 Todesopfern gehört Großbritannien zu den am schwersten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern der Welt. Nachdem landesweit schon 3,9 Millionen Corona-Infektionen nachgewiesen wurden, hoffen die Behörden allerdings, dass der Höhepunkt der Pandemie überwunden ist. Die Zahlen der täglichen Neuinfektionen, der Krankenhausaufenthalte und die Todesrate sind zurückgegangen.

Außerdem kommt das Land mit seiner Impfkampagne deutlich schneller voran als die Länder der Europäischen Union. Pro hundert Einwohner wurden im Vereinigten Königreich schon 20 Corona-Impfdosen verabreicht – in Deutschland liegt die Impfquote bei rund drei Prozent.

Anfang Januar hatte die Regierung in London erneut einen Lockdown mit Schulschließungen verhängt, der vorerst bis zum 8. März gilt. Sie reagierte damit auf einen dramatischen Anstieg der Infektionszahlen, der auf die Ausbreitung der Coronavirus-Variante B.1.1.7 zurückgeführt wurde.

Die britischen Behörden fürchten, dass neue Corona-Mutanten die Wirksamkeit der Impfstoffe abschwächen könnten. Deshalb hat das Land die Einreiseregeln verschärft. Wenn der Aufenthalt in einem Hoch-Risiko-Land verschwiegen wird, drohen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.

Frankreich

Die hohen Ansteckungszahlen in Frankreich gehen nur langsam zurück. Seit Pandemie-Beginn wurden mehr als 3,3 Millionen Corona-Infektionen und rund 80.000 Corona-Tote gezählt. Am Mittwoch waren 27.000 Corona-Patienten in den französischen Krankenhäusern. Zu den bisherigen Pandemie-Höhepunkten im vergangenen Frühling und Herbst waren es mehr als 30.000.

Ende Januar entschied sich die Regierung in Paris dennoch gegen einen dritten umfassenden Lockdown und versprach, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um einen solchen zu verhindern. Die nächtliche Ausgangssperre am 18.00 Uhr gilt aber weiter. Bars, Cafés, Restaurants und Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind bereits seit Oktober geschlossen.

Auch in Frankreich ist die Angst vor ansteckenderen Corona-Varianten groß. Ende Januar machten diese nach offiziellen Angaben rund 14 Prozent der Infektionen aus.

Spanien

In Spanien wurden bereits mehr als drei Millionen Corona-Infektionen nachgewiesen, mehr als 63.000 Infizierte starben. Die Infektionszahlen gehen zurück, die Lage ist aber weiter gespannt. Dennoch will die Regierung in Madrid keinen ähnlich strikten Lockdown wie im vergangenen Frühjahr verhängen. Stattdessen ruft sie die Regionen auf, alle jeweils notwendigen Schutzmaßnahmen wie nächtliche Ausgangssperren und Reiseeinschränkungen zwischen den Regionen zu ergreifen. 

Einige Regionen haben mit strengeren Restriktionen die Kurve der Infektionen abgeflacht. Spaniens Chef-Epidemiologe Fernando Simon warnt angesichts von Corona-Mutanten dennoch, dass das Land weiter vorsichtig sein müsse. 

Im Zuge seiner Immunisierungskampagne hat Spanien bislang mehr als zwei Millionen Impfdosen verabreicht, mehr als 800.000 Menschen haben bereits beide Dosen bekommen. 

Italien  

In Italien starben bereits mehr als 92.000 Menschen nach einer Corona-Infektion. Seit Pandemie-Beginn wurden rund 2,7 Millionen Ansteckungen nachgewiesen. Vergangene Woche lag die Zahl der täglichen Neuansteckungen im Schnitt bei rund 13.000.

Landesweit gilt weiter eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 22.00 und 05.00 Uhr. Reisen zwischen Italiens Regionen sind untersagt. Restaurants und Bars dürfen mittlerweile aber wieder bis 18.00 Uhr öffnen.

Der Chef der staatlichen Gesundheitsstiftung Gimbe, Nino Cartabellota, warnt davor, dass die neuen Corona-Varianten „die Virus-Kurve explodieren lassen“ könnten. In Italien wurden Ansteckungen sowohl mit der britischen als auch mit der brasilianischen Virus-Variante bereits nachgewiesen.

Schweden

Das skandinavische Land verfolgt seit Beginn der Pandemie eine weniger restriktive Corona-Strategie als andere europäische Staaten. Gut 600.000 Infektionen und mehr als 12.000 Corona-Tote wurden in Schweden bislang registriert. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen fällt seit Mitte Dezember. Die jüngsten Fallzahlen lassen aber eine Trendumkehr und womöglich eine dritte Infektionswelle befürchten.

„Es ist immer noch unsicher, wie die britische Variante die Ausbreitung beeinflussen wird“, warnte Schwedens Chef-Epidemiologe Anders Tegnell. Er betonte daher die Notwendigkeit, Kontakte einzuschränken, Abstand zu anderen Menschen zu halten und wenn möglich von Zuhause zu arbeiten.

Ausländer müssen bei einer Einreise nach Schweden einen negativen Corona-Test vorweisen. Im Januar verabschiedete das Parlament ein Pandemie-Gesetz, das der Regierung mehr Vollmachten im Kampf gegen die Pandemie gibt.

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AFP/Redaktion
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