Der neue RTL-Chef setzt mit dem Aus für Dieter Bohlen einen Paukenschlag

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Es klingt nach dem Rauswurf eines Manns, der über Jahre für RTL eines der erfolgreichsten Gesichter war: Dieter Bohlen ist in Zukunft nicht mehr Chefjuror von „Deutschland sucht den Superstar“ und „Das Supertalent“, mit ihm werden auch alle anderen Jury-Mitglieder ausgetauscht. „Darüber wurden alle Beteiligten im Vorfeld informiert“, erklärte RTL knapp. Von Bohlen selbst wird kein Wort übermittelt – der Ärger scheint greifbar.

Dass ein neuer Chef mit dem Austausch von Führungskräften seinen Job beginnt, ist nicht selten. Bei RTL ist Henning Tewes seit noch nicht einmal zwei Wochen neuer Geschäftsführer. Die Personalie Bohlen ist in der frischen Amtszeit von Tewes ein echter Paukenschlag – ganz unabhängig davon, ob der 67 Jahre alte Bohlen selbst seinen Rückzug anbot, oder ob er zusammen mit seinen Kojuroren abserviert wurde.

Denn wer an RTL denkt, denkt bei den Showformaten an das „Dschungelcamp“, an „DSDS“ oder „Das Supertalent“ – daneben hat nur der Quizdauerbrenner „Wer wird Millionär?“ mit Günther Jauch einen ähnlich starken Klang. Doch während etwa Jauch stabil starke Quoten liefert, steht Bohlen mittlerweile für einen schleichenden, aber ungebremsten Rückgang in der Zuschauergunst.

Besonders deutlich verrät dies die Quotenentwicklung beim „Supertalent“. 2010 schauten fast acht Millionen Zuschauer die vierte Staffel der Familienshow, 2015 waren es bei der neunten Staffel immerhin noch viereinhalb Millionen – doch die vor Weihnachten zu Ende gegangene 14. Staffel schalteten im Schnitt nicht einmal mehr drei Millionen Menschen ein.

Bei „DSDS“ liegen die Zuschauerzahlen zwar noch über drei Millionen, aber schleichend wenden sich auch hier die Zuschauer ab. Dazu kam der Skandal um das ursprüngliche Jurymitglied Michael Wendler, der nach bizarren Äußerungen aus der Sendung geschnitten wurde, drei „DSDS“-Sendungen fielen komplett weg.

Längst vorbei ist auch die Zeit, in der nach einer Sendung Bohlen-Sprüche wie „Selbst wenn du der einzige Bewerber wärst, wärst du nicht der beste“ oder „Vergiss das mit der Musik, mach irgendwie so Unterwäschemodel im Radio“ auf Schulhöfen und an Arbeitsplätzen rezitiert wurden.

Die härtesten Sprüche, die peinlichsten Auftritte, dazu einige wirklich gute Sängerinnen und Sänger – so konnte sich „DSDS“ fast 20 Jahre lang behaupten. Als „Europas erfolgreichste Talentshow“ lobte RTL sein Format bei der Ankündigung des Jurywechsels selbst.

Beide Showformate hält der Sender für stark genug, dass sie auch ohne Bohlen funktionieren. Besonders in „DSDS“ setzt Senderchef Tewes offenbar große Hoffnungen. „Mit einer komplett neuen Jury wird ‚DSDS‘ frische Impulse setzen, um musikalische Talente und Millionen Zuschauer neu zu inspirieren und zu begeistern.“ Wer in „DSDS“ und im „Supertalent“ die neue Jury bilden soll, ist dabei noch offen.

Und was wird aus Bohlen? In den vergangenen Jahrzehnten schien er als Musiker, als Musikproduzent und als Fernsehstar das Glück für sich gepachtet zu haben. Regelmäßig produzierte er in den vergangenen Jahren als Musikproduzent allerdings dabei für seine erfolgreichsten „DSDS“-Kandidaten Lieder, die dann den Weg in die Charts schafften.

Mit dem Ende als Chefjuror dürfte dieses Geschäftsmodell an sein Ende gekommen sein. Was Bohlen davon und von seinem Aus denkt, ist aber völlig offen – in der wortreichen Erklärung seines bisherigen Arbeitgebers steht keine einzige Zeile von ihm.

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