Wenn das Leben von Schwarzen wenig zählt

Wenn das Leben von Schwarzen wenig zählt
Wenn das Leben von Schwarzen wenig zählt

Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd ist der weiße Ex-Polizist Derek Chauvin in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Floyds Tod durch Polizeigewalt ist bei weitem kein Einzelfall: In den USA werden immer wieder Angehörige von Minderheiten durch weiße Polizisten oder selbsterklärte Hilfssheriffs getötet oder schwer verletzt. Ein Überblick über besonders aufsehenerregende Fälle seit Anfang vergangenen Jahres:

Ahmaud Arbery

Der 25-Jährige wird am 23. Februar 2020 in Brunswick im Südstaat Georgia am helllichten Tag beim Joggen erschossen. Ein weißer Ex-Polizist und sein Sohn hatten Arbery nach eigenen Angaben für einen Einbrecher gehalten und mit ihrem Pickup verfolgt. Ein Video zeigt, wie sie dem Afroamerikaner den Weg versperren und Arbery nach einem Gerangel durch Schüsse getroffen zusammenbricht.

Der Fall wurde erst zweieinhalb Monate später durch die Veröffentlichung des Videos publik – erst dann wurden die beiden Weißen festgenommen. Sie und ein dritter Verfolger wurden inzwischen des Mordes angeklagt.

Breonna Taylor

In ihrer eigenen Wohnung wird am 13. März 2020 die 26-jährige Notfallsanitäterin von weißen Polizisten erschossen. Die Beamten in Zivil hatten die Wohnung in Louisville im Bundesstaat Kentucky bei einer nächtlichen Drogenrazzia gestürmt. Taylors Freund glaubte an einen Überfall und eröffnete mit seiner Waffe, die er legal besaß, das Feuer. Die Beamten schossen zurück und trafen Taylor tödlich, während ihr Freund unverletzt blieb.

Für Empörung sorgte, dass keiner der beteiligten Polizisten wegen Taylors Tod angeklagt wurde. Eine Anklage gab es lediglich gegen einen Polizisten, dessen Schüsse in eine Nachbarwohnung gegangen waren. Ihm wird eine fahrlässige Gefährdung des Lebens anderer zur Last gelegt.

Daniel Prude

In Rochester im Bundesstaat New York wird am 23. März 2020 der unter psychischen Problemen leidende Afroamerikaner Prude festgenommen. Die Polizisten legen dem nackten und unbewaffneten 41-Jährigen Handschellen an, setzen ihm eine Spuckhaube auf und drücken seinen Kopf auf den Boden. Der 41-Jährige verliert das Bewusstsein und stirbt eine Woche später im Krankenhaus, der Fall wird aber erst im September publik. Eine Anklage gegen die beteiligten Polizisten wird nicht erhoben.

Jacob Blake

In der heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfes 2020 sorgen Polizeischüsse auf den 29-jährigen Blake in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin für Empörung. Ein Polizist schießt dem Afroamerikaner am 23. August mehrfach in den Rücken, als dieser nach einer Auseinandersetzung in sein Auto steigen will, in dem seine Kinder sitzen. Blake hat ein Messer bei sich. Er überlebt schwer verletzt, ist seitdem aber gelähmt. Die Justiz erhebt keine Anklage gegen den Polizisten.

Adam Toledo

Bei einer Verfolgungsjagd in der Nacht auf den 23. März erschießt ein weißer Polizist in Chicago den erst 13-jährigen Latino-Jungen Adam Toledo. Die Polizei war wegen Schüssen gerufen worden und dann auf den Jugendlichen und einen 21-Jährigen gestoßen.

Der mit einer Pistole bewaffnete Toledo rennt weg, bleibt dann aber auf Anweisung des Polizisten stehen, dreht sich um und hebt seine leeren Hände. In diesem Augenblick gibt der Beamte den tödlichen Schuss ab. Nach Polizeiangaben hatte Toledo weniger als eine Sekunde zuvor die Pistole weggeworfen. Die Ermittlungen zu dem Fall laufen.

Daunte Wright

Offenbar aus Versehen erschießt eine weiße Polizistin am 11. April im nahe Minneapolis gelegenen Brooklyn Center den 20-jährigen Afroamerikaner. Die 48-jährige Kim Potter wollte nach Polizeiangaben ihre Taser-Elektroschockpistole auf Wright abfeuern, als dieser sich nach einer Verkehrskontrolle seiner Festnahme wegen eines offenen Haftbefehls widersetzte. Sie zog aber versehentlich ihre Schusswaffe und gab einen tödlichen Schuss ab. Die Polizistin quittierte in der Folge den Polizeidienst und wurde wegen „Totschlags zweiten Grades“ angeklagt.

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AFP/Redaktion
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