Erdogan verklagt politische Kontrahentin wegen Netanjahu-Vergleichs

Recep Tayyip Erdogan - Bild: OCHA / Berk Özkan
Recep Tayyip Erdogan - Bild: OCHA / Berk Özkan

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat eine politische Kontrahentin wegen eines Vergleichs mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu verklagt. Der Staatschef fordere umgerechnet rund 24.000 Euro Schadenersatz von der Vorsitzenden der nationalistischen Iyi Parti („Gute Partei“), Meral Aksener, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Aksener hatte am Dienstag im türkischen Parlament erklärt, Netanjahu und Erdogan nutzten ähnliche Taktiken, um an der Macht zu bleiben.

Netanjahus Vorgehen gegen militante Palästinenserorganisationen im Gazastreifen sei politisch motiviert, sagte die Parteichefin. Israels Regierungschef hoffe, auf diese Weise nach vier nicht eindeutig ausgefallenen Parlamentswahlen binnen zwei Jahren die Öffentlichkeit für sich zu gewinnen. „Die israelische Version von Erdogan, Benjamin Netanjahu, hat nicht gezögert, das Leben von Zivilisten und Kindern ins Visier zu nehmen, um seine politischen Rivalen auszuschalten und sein Mandat zu schützen“, sagte Aksener.

Erdogan bezeichnete Akseners Äußerungen am Mittwochabend als „unmoralisch“. „Netanjahu ist nie unser Freund gewesen und wird es auch nie sein.“ Der türkische Präsident hatte das israelische Vorgehen im Gazastreifen scharf kritisiert. Er warf Israel unter anderem „Terrorismus“ gegen die Palästinenser vor und sagte, dies liege „in der Natur“ der Israelis. „Sie sind Mörder, sie töten Kinder, die fünf oder sechs Jahre alt sind.“

Die US-Regierung hatte seine Äußerungen als „antisemitisch“ verurteilt. Erdogan verteidigte seine Worte in einer Fernsehansprache am Mittwoch: „Wenn ein Preis zu zahlen ist, um für die Unschuldigen zu sprechen, werden wir niemals zögern, ihn zu zahlen.“

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