Corona-Beschränkungen: Tatsächlich eine Frage der Ressourcen

Symbolbild: Corona
Symbolbild: Corona

In den letzten Jahren haben Regierungen verschiedene Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergriffen, die von Maskenpflicht bis hin zu vollständigen Lockdowns reichten. In einer online durchgeführten Querschnittsstudie ermittelten Yury Shevchenko von der Universität Konstanz, und seine Kollegen mehrere Stress- und Belastungsfaktoren während der Corona-Einschränkungen, wie beispielsweise finanzielle Verluste.

Die Hauptfaktoren für Stress

Welchen Einfluss hatten die persönlichen wirtschaftlichen Verhältnisse, Sozialkontakte und die Intensität, mit der man sich über die Pandemie informierte, darauf, wie belastend man die einschränkenden Maßnahmen empfand? Die Forschenden führten von Oktober 2020 bis Dezember 2021 eine Onlinebefragung mit 685 Teilnehmern durch und fanden heraus, dass finanzieller Verlust einer der Hauptfaktoren war, der während der Pandemie Stress auslöste. Wer die Situation als besonders belastend empfand, unterstützte die Corona-Maßnahmen auch weniger. Shevchenko erklärt: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass finanzielle Verluste eine größere Rolle für Stress und die Unterstützung restriktiver Maßnahmen spielen als das Einkommensniveau. Die Höhe des Einkommens schien gemäß unserer Studie keine Rolle zu spielen.“

Obwohl Personen mit Kindern eine höhere Lebenszufriedenheit aufwiesen, fühlten sie sich durch restriktive Maßnahmen wie soziale Isolation stärker belastet und unterstützten diese weniger. Es überrascht wenig, dass stärker eingreifende Restriktionen – wie Isolations- und Abstandsregeln – insgesamt mit höheren Stressniveaus verbunden waren und weniger Akzeptanz fanden. Umgekehrt zeigten Personen, die sich regelmäßiger über Corona informierten, mehr Zustimmung gegenüber solchen Maßnahmen.

Die Bedeutung sozialer Kontakte

Um die methodischen Grenzen einer einmaligen Befragung zu überwinden, führten die Forschenden außerdem im Frühjahr 2021 eine stichprobenartige Längsschnittstudie durch, die einen Monat lang das tägliche Wohlbefinden von 46 teilnehmenden Studierenden abfragte. Vor allem ausreichend soziale Kontakte und Aufenthalte im Freien verbesserten das Wohlbefinden der Teilnehmenden, fanden die Psychologen dabei heraus.

„Unsere Ergebnisse bestätigen das sogenannte Anforderungs-Ressourcen-Modell“, erklärt Shevchenko. „Dieses besagt, dass Menschen, die Zugang zu materiellen und immateriellen Ressourcen, wie sozialen Kontakten und Informationen, haben, besser mit restriktiven Maßnahmen umgehen können und diese eher positiv bewerten. Und diejenigen, die Beschränkungen befürworten, halten sie auch eher ein.“

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